Schweinegrippe Infizierte Schwangere erleidet Fehlgeburt

Die Schweinegrippe breitet sich aus: Nach ihrer Ansteckung mit dem H1N1-Erreger hat eine schwangere Frau in Australien eine Fehlgeburt erlitten. In Lübeck wird derweil ein infizierter Säugling mit Tamiflu behandelt.


Sydney - Nach Angaben der australischen Behörden ist der Zustand der 19-Jährigen weiterhin ernst. Sie wird auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der nordöstlichen Stadt Townsville behandelt. Die junge Frau stammt demnach aus Palm Island, einem abgelegenen Aborigine-Ort. Dort habe sich das Schweinegrippe-Virus A (H1N1) in den vergangenen Tagen rasch ausgebreitet, sagte Bürgermeister Alf Lacey. Binnen zwei Wochen hätten sich zwölf Bewohner infiziert.

Lacey erinnerte daran, dass die australischen Ureinwohner besonders stark gefährdet seien, an der Schweinegrippe zu sterben. Schließlich litten Aborigines überdurchschnittlich oft an Diabetes, Herzproblemen, Bluthochdruck und anderen gesundheitlichen Problemen, die eine Schweinegrippe-Infektion zu einer tödlichen Gefahr machen könnten. Auch Schwangere gehören zur Risikogruppe.

Baby an Schweinegrippe erkrankt

In der Lübecker Uniklinik wird unterdessen ein wenige Tage alter Säugling wegen Schweinegrippe behandelt. Der kleine Junge sei mit einer minimalen Dosis des Grippemittels Tamiflu behandelt worden, es gehe ihm gut, sagte der Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Oliver Grieve, am Dienstag.

Er bestätigte damit eine Meldung der "Lübecker Nachrichten". Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin handelt es sich um den ersten bekanntgewordenen Fall eines mit dem Schweinegrippe-Virus infizierten Säuglings in Deutschland.

Das am Montag sechs Tage alte Baby war am Wochenende von der Entbindungsstation einer Klinik in Bad Oldesloe nach Lübeck verlegt worden, weil es hohes Fieber und Grippesymptome hatte. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Erkrankung, die am Wochenende für eine vorübergehende Schließung der Lübecker Entbindungsstation geführt hatte, durch zwei schwangere Patientinnen aus Bad Oldesloe nach Lübeck gelangt. Sie waren wegen vorzeitiger Wehen in die Uniklinik verlegt worden, ohne dass ihre Grippeinfektion bekannt war.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

jdl/AFP/dpa



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