Trotz Protest Schweizer Metzger ziehen Schauschlachtung durch

Mitten in einem Schweizer Dorf sind öffentlich zwei Schweine geschlachtet worden. Die Metzgerei wollte das Handwerk in Erinnerung rufen. Tierschützer und ein Pfarrer protestierten. Am Abend gibt's Blutwurst.

DPA

"Wir wollen das Handwerk des Metzgers den Leuten näherbringen": So hatte Heiner Oberer, ein Koch mit Metzgerlizenz, gegenüber der Schweizer Boulevardzeitung "Blick" begründet, warum er in dem Dorf Sissach im Kanton Basel-Land ein öffentliches Schlachtfest organisiert hat, gemeinsam mit der örtlichen Metzgerei. Zuschauer sollten eine fachgerechte Schlachtung nach alter Tradition sehen und lernen, wie Fleisch verarbeitet wird.

Einige Dutzend Zuschauer waren am Samstag dabei, als zwei Schweine getötet, gereinigt und auseinandergenommen wurden. Die Tiere, darauf legten die Veranstalter Wert, stammten aus einem Biohof in Sissach. Die Schlachtung fand in einem Zelt statt, "ein zufälliges Beobachten des Schlachtvorgangs ist ausgeschlossen", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" im Vorfeld.

Dennoch hatte es Proteste gegeben. Der Schweizerische Tierschutzverband STS hatte sich an die Kantonsregierung gewandt: Wer die Realität der Fleischproduktion sehen wolle, gehe besser in ein Schlachthaus. Der STS argwöhnte, dass die Metzgerei mit dem öffentlichen Töten nur Schaulustige anziehen wollte.

Als Skandal brandmarkte der ehemalige Pfarrer Lukas Baumann (56) die Veranstaltung. "Öffentlich darf eine solche Gewalt nicht gezeigt werden," sagte er dem "Blick". Er kündigte an, zwei Tage nach der Schlachtung in mittelalterlichen Gewändern durch Sissach zu ziehen und sich dabei auszupeitschen.

Am Morgen der "Metzgete" (wie Schlachtfest auf Schweizerdeutsch heißt) protestierten in der Nähe des Zelts Tierschützer gegen die öffentliche Schlachtung. "Tiere fühlen, Tiere leiden" oder "Ihr Schmerz für euren Genuss" stand auf ihren Plakaten.

Die Metzgerei blieb unbeirrt. Sie wollte am Abend in einem Festzelt schlachtfrische Leber- und Blutwurst auftischen. Über 150 Gäste hätten sich für das Wurstmahl angekündigt, hieß es in der "NZZ".

feb/dpa



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Ein_denkender_Querulant 28.10.2017
1. lecker
Es sind meine schönsten Kindheitserinnerungen: Schlachtfest. Dampfende Töpfe, der Geruch von frischem Fleisch und vielen Gewürzen, Wellwürste, Völlerei, mein erstes Bier.... Das heutige Kinder das nicht mehr erleben dürfen
joG 28.10.2017
2. Kein Mensch will sehen....
....was unser Leben verlangt. Mit Ehrlichkeit haben wir es nicht so.
limauniform 28.10.2017
3. Na und?
Hausschlachtung, meist unter den Augen der Nachbarn, waren zu meiner Jugend normaler Winteralltag. Und mir ist keiner in Erinnerung geblieben, der dies als Tierquälerei empfunden hätte. Im Gegenteil: die Nachbarn haben sich auf die Wurstsuppe gefreut und die Kinder auf das Schweineschwänzchen, das man, wenn man ganz mutig und verwegen war, dem Lehrer am Kittel befestigt hat. Dem Pfarrer viel Vergnügen beim Selbstgeiseln; ich hoffe allerdings, er simuliert nicht nur, denn sonst würde er sich als Pharisäer outen. Für seine Reputation wäre dies sicher nachteilig.
helmut.alt 28.10.2017
4. Wirklichkeitsfremder geht es wohl nicht!
Hier wird dem Publikum vorgeführt woher das Fleisch kommt: von einem lebenden Wesen, das getötet wird damit man Fleisch konsumieren kann. So war es seit Menschengedenken und Raubtiere machen es nicht anders. Der Werdegang vom lebenden Tier bis zum Schnitzel oder der Wurst soll ruhig aufgezeigt werden; vielleicht kaufen dann einige Zartbesaitete weniger Fleisch. Umso besser für die Tiere, die dann nicht dran glauben müssen.
tiger-li 28.10.2017
5. Richtig so
Ohne Töten kein Fleisch! Ich dürfte als Kind zuschauen. Und finde, das sollte generell im Unterricht ein Thema sein. Schlachthof, Hospiz und Friedhof. Der Tod gehört einfach zum Leben! auch wenn unsere Gesellschaft das so nicht wahrhaben will...
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