Hoffen auf Asyl Schwules Paar aus Sotschi heiratet in Buenos Aires

Sie sind schwul, aus Sotschi und werden verfolgt: Grund genug, Russland zu verlassen, finden Alexander Eremejew und Dmitrij Sajtzew. Jetzt haben die beiden in Buenos Aires geheiratet und wollen dort Asyl beantragen.

DPA

Buenos Aires - "Es gibt keine Schwulen in Sotschi", hatte der Bürgermeister der Olympia-Stadt, Anatolij Pachomow, beteuert. Mindestens zwei gab es auf jeden Fall - die haben sich allerdings angesichts solch hanebüchener Behauptungen auf und davon gemacht.

Am Dienstag haben sich Alexander Eremejew und Dmitrij Sajtzew in Buenos Aires trauen lassen. Das Paar hielt sich während der Zeremonie an den Händen und gab sich nach der Trauung einen innigen Kuss. "Wir kümmern uns umeinander, wir kennen uns, wir haben viele Dinge gemeinsam, und wir wollen, dass unsere Verbindung legal ist", sagte der 45-jährige Eremejew.

Zur Feier des Tages trugen die beiden Männer hellgraue Westen mit passenden kurzen Hosen und einen blütenweißen Hemdkragen. Ans Revers gesteckt hatten sie Papierblumen in den Nationalfarben Russlands, beide trugen Bänder in den Farben der argentinischen Flagge und des Regenbogens. Der Standesbeamte José Luís Badur betonte, dass "Gefühle nicht von einem Gesetz abhängen, sondern von der Natur".

Zahl der Asylanträge steigt

Eremejew und Sajtzew wurden begleitet von Aktivisten, die fordern, dass Argentinien sich verstärkt für die Rechte von Schwulen und Lesben einsetzt und ihnen Asyl anbietet, wenn sie in ihrem Heimatland wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden.

Das frischvermählte Paar will umgehend einen Antrag auf Asyl stellen. Sie würden bei einer Rückkehr nach Sotschi mit Angriffen und Verfolgung durch die Polizei rechnen müssen. Seit im Juni 2013 in Russland ein Gesetz gegen sogenannte homosexuelle Propaganda unter Jugendlichen verabschiedet wurde, häufen sich gewaltsame Übergriffe auf gleichgeschlechtlich Liebende.

In der Folge beantragen immer mehr Russen und Russinnen im Ausland Asyl - auch in Deutschland, wo sie in Berlin und Hamburg von der Organisation"Quarteera" unterstützt werden. Auch in den USA sei der Trend auffällig, sagt Aaron Morris, Direktor von "Immigration Equality", einer Gruppe, die sich in New York um entsprechende Antragsteller kümmert. Hier sei die Zahl der Anträge von 11 auf 28 pro Jahr gestiegen. Allein im Januar hätten schon 33 Russen um Hilfe gebeten.

Zwar gebe es bereits russische Paare, die geheiratet und politisches Asyl bekommen hätten, sagte Alex Freyre, der im Dezember 2009 als erster Homosexueller in Argentinien geheiratet hatte. Aber in diesem Fall ist es das erste Paar, das dies öffentlich tut. Seit 2009 wurden insgesamt mehr als 7000 gleichgeschlechtliche Ehen in dem Land geschlossen.

ala/AP



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