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"Miss Mini"-Wahlen in Frankreich: Stopp für Lolita-Shows

Foto: ? Benoit Tessier / Reuters/ REUTERS

"Miss Mini"-Wahlen in Frankreich Stopp für Lolita-Shows

Sechsjährige in Tangas, Mädchen, die als Femme fatale posieren und Mütter, die ihre Töchter wie Barbie-Puppen ausstaffieren: Schönheitswettbewerbe für Kinder sind in Frankreich populärer geworden. Damit könnte bald Schluss sein.

Sie defilieren in hautengen Roben, taillierten Brautkleidern, in Mini-Shorts oder sexy Bademoden. Sie drehen sich kokett, legen den Kopf zur Seite und versuchen, eine Hand in die Hüfte gestellt eine laszive Pose. Sie benehmen sich wie erwachsene Frauen, dabei sind sie oft gerade einaml sieben, acht Jahre alt.

Die Kinder, durchweg Mädchen, sind Teilnehmerinnen an sogenannten Schönheitswettbewerben, die in Frankreich unter dem Titel "Miss Mini" florierten. Geschminkt posieren die Kinder als Femme fatale, die entsprechenden Fotos zieren Werbung, Magazine und kursieren im Internet. Eine eigene Industrie produziert ausgestopfte Büstenhalter und Stringtangas für Sechsjährige.

Jetzt will der Senat, das Oberhaus des Parlaments, der Praxis einen Riegel vorschieben. Bei den Beratungen über ein Gesetz zur Gleichstellung von Frau und Mann sprachen sich die Volksvertreter für ein Verbot von jeder Form von Schönheitswettbewerben für Kinder unter 16 Jahren aus. Organisatoren von "Miss Mini"-Wahlen sollen Strafen drohen von 30.000 Euro und zwei Jahren Haft. Das Gesetz muss noch die Nationalversammlung passieren, bevor es in Kraft treten kann.

"Wir wollen doch unsere Töchter nicht vom jüngsten Alter an glauben machen, dass sie nur wegen ihres Aussehens etwas wert sind", sagt Chantal Jouanno, Senatorin der Zentrumspartei UDI und Initiatorin des Verbots. "Und wir wollen nicht zulassen, dass kommerzielle Anliegen wichtiger sind als gesellschaftliche Interessen."

Suggestive Werbung bei "Vogue"

Wachgerüttelt wurde die ehemalige Karatekämpferin im Dezember 2010 durch eine Werbekampagne der Zeitschrift "Vogue". Dort wurden kleine Mädchen in ebenso eindeutigen wie suggestiven Posen abgebildet; 150 Kinderärzte reagierten mit einer Petition gegen die "Erotisierung und Hypersexualisierung von Kindern in der Werbung".

Jouanno, seinerzeit im Ausschuss für Soziales, nahm sich des Themas an und untersuchte dabei auch die vermeintlichen Schönheitswettbewerbe, die in Frankreich seit 1989 existieren. Wahlen zur "Mini-Miss" oder zur "Miss Prinzessin" zielen auf Mädchen zwischen sieben und zwölf Jahren; nach regionalen Vorentscheidungen dürfen dann die gekürten Mädchen zur nationalen Schönheitskür.

Früher ein eher begrenztes Hobby, sind die Wettbewerbe dank Internet und den sozialen Netzwerken inzwischen richtig populär. Dort werden Kinder angefixt, wenn Gleichaltrige um Unterstützung werben und sich dabei auf ihren öffentlichen Facebook-Seiten neben ihren Kuscheltieren räkeln. "Du hast das Profil, eine 'Mini-Miss' oder die 'Prinzessin Frankreichs' zu werden", versprachen Organisatoren potentiellen Kandidatinnen noch vor dem Finale im vergangenen Dezember. Und sie lockten: "Wir schlagen dir vor, über den roten Teppich des Zirkus 'Diana Moreno' zu schreiten."

Dort traten kleine aufgedonnerte Püppchen auf, Promis von trashigen TV-Programmen beklatschten die Tanz- und Gesangsauftritte, bei denen die Kleinen sich mühten, die Schlagermelodien ihrer Vorbilder nachzukrähen.

Mit zwölf Jahren wie ein "hartgesottenes Mannequin"

Bei den Castings wird vor allem die Körpersprache der Kids im Erwachsenen-Outfit bewertet: "Shelby, 12", lobt die Illustrierte "France Dimanche" eine Teilnehmerin, "defilierte wie ein hartgesottenes Mannequin."

Es sind solche Missstände, mit denen das Gesetz von Senatorin Jouanno aufräumt. "Vor dem Alter von zwölf Jahren ist das 'Lolita-Phänomen' eher rar, weil Gesellschaft, Eltern und Erwachsene meist kritisch sind", so die Politikerin. "Andererseits ist die Gesellschaft dabei, sich zu hypersexualisieren und der entsprechende Druck auf Kinder und Jugendliche ist enorm groß", schreibt Jouanno in ihrem parlamentarischen Rapport.

Ihre Folgerung: Die Schönheitswettbewerbe "zeichnen ein entwürdigendes Bild der Frau, sie geben den Mädchen eine stereotype Vision von ihrer Erscheinung." Versuche der Organisatoren, dem Verbot der Miss-Shows durch eigene Regeln zuvorzukommen, scheiterten. Die "Ethik-Charta" der Branche erhöhte zwar das Mindestalter auf sieben Jahre, verbot Schminke, Stöckelschuhe, Badeanzüge und Cat-Suits, "die nicht dem Alter der Kinder entsprechen". Dennoch blieb die angebliche Talentshow im Kern eine Fleischbeschau.

"Die Anpassungen in der Form ändert nichts an der Philosophie der Ereignisse", rühmten sich die Organisatoren ganz offen. "Sie beruhen auf Begabung, Verführung und dem Wettbewerb der Erscheinungen." Damit ist nun Schluss. Und während Kinderschutzverbände, Frauenorganisationen wie Kirchen die Vorschriften zum Schutz der kleinen Mädchen begrüßen, blieb ein weiterer parlamentarischer Vorstoß von Jouanno ohne Erfolg. Weitergehende Regelungen zur Arbeit von Kinder-Mannequins und jungen Fotomodellen wurden abgelehnt.

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