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26. Februar 2013, 17:44 Uhr

Kreißsaal-Doku

Berliner Senat stoppt Geburten-Show auf RTL

Verletzen Fernsehaufnahmen von Geburten die Persönlichkeitsrechte der Kinder? Der Berliner Senat will das jetzt prüfen. RTL darf für seine Doku-Show "Babyboom" vorerst nicht mehr im Kreißsaal filmen.

Berlin - RTL darf bei Geburten nicht mehr mit der Kamera draufhalten - vorläufig jedenfalls. Der Berliner Senat hat jetzt die Dreharbeiten zur Doku-Soap "Babyboom - Willkommen im Leben" gestoppt. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wies die Geschäftsführung des landeseigenen Krankenhauskonzerns Vivantes an, die Filmarbeiten des Kölner Privatsenders über die Arbeit in der Geburtsstation bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 20. März zu unterbrechen.

Der Senat sehe dieses Format sehr kritisch, teilte Senatssprecher Bernhard Schodrowski mit. Es gebe ernste Bedenken, dass die Persönlichkeitsrechte der Kinder wie auch der Angestellten nicht ausreichend gewahrt würden. Das solle jetzt eingehend bis zur Sitzung des Aufsichtsrats geprüft werden.

"Auch wenn die Mütter und Familien ihr Einverständnis zu den Filmaufnahmen erklären, wird das Kind später damit zu rechnen haben, mit den Filmaufnahmen konfrontiert zu werden", teilte Senator Czaja dazu mit. "Die Intimsphäre und die allgemeinen Persönlichkeitsrechte des Kindes sehe ich hier in Gefahr."

RTL filmt seit dem 15. Februar im Krankenhaus Friedrichshain mit 30 Kameras im Kreißsaal, in Krankenzimmern und Untersuchungsräumen die Geburten von Babys und das Leben der jungen Familien. Eltern und Mitarbeiter mussten vorher ihr Einverständnis geben. Vorbild sei die Sendung "One Born Every Minute" aus England. RTL verspricht sich von diesem neuen Format "authentische Einblicke in die wahre Gefühlswelt" aller Beteiligten.

"Die neue Real Life Doku zeigt die außergewöhnlichen Geschichten, die bewegenden, berührenden, dramatischen und glücklichen Momente rund um die Geburt eines Kindes", hieß es in einer Pressemitteilung des Senders. Die Mütter bringen ihre Babys in einem von der Entbindungsstation abgetrennten Bereich zur Welt.

RTL erklärte, der Sender sei von der Entscheidung des Senats überrascht worden. "Sämtliche Rechtefragen wurden weit im Vorfeld und in enger Zusammenarbeit zwischen Produzent und Klinik geklärt. Wir gehen daher davon aus, dass die Dreharbeiten weitergehen können", sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. "Kritikern empfehlen wir bei aller Wertschätzung, sich zu informieren, bevor sie ein Urteil fällen."

Bisher habe Vivantes die Weisung noch nicht erhalten, sagte Eickmeyer. Die Gesundheitsverwaltung verwies darauf, dass Czaja sie zunächst mündlich erteilt habe. Der Senator könne als Vertreter der Eigentümer die Vertretungsbefugnis der Geschäftsführung beschränken. Das sei jetzt geschehen.

Auch Vivantes betonte: "Wir sind nach wie vor von der Seriosität des geplanten Formats einer Entbindungsdokumentation im Vivantes Klinikum im Friedrichshain überzeugt." Der Klinikkonzern habe alle klinischen und juristischen Fragen berücksichtigt, wozu vor allem die Zustimmung aller Beteiligten gehöre. "Sollte das Land Berlin als Gesellschafter von Vivantes dennoch eine Einstellung oder Aussetzung der Filmaufnahmen anweisen, werden wir dieser Anweisung folgen."

rls/dpa

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