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Urteil in München: Kondomverkauf am Tag des Herrn

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Münchner Hauptbahnhof Sex-Shop darf auch sonntags Kondome verkaufen

Kondome und Pornos gibt's künftig auch sonntags in einem Sex-Shop am Münchner Hauptbahnhof: Ein Gericht hat der Klage der Betreiber stattgegeben. Ganz konnten sie sich aber nicht durchsetzen - der Verkauf des "Erotischen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiels" bleibt am Tag des Herrn tabu.

München - Kondome, Cremes, DVDs und Einwegkameras zählen nach Ansicht von Münchner Richtern zum Reisebedarf: Ein Sex-Shop am Hauptbahnhof der bayerischen Hauptstadt darf daher nun auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Gegenstände, die nicht für eine Reise gebraucht werden, dürfen nicht verkauft werden. Dazu zählen Spiele und Geschenkartikel. Das entschied das Verwaltungsgericht München am Mittwoch .

Die Betreiber-GmbH des Ladens hatte gegen die bayerische Landeshauptstadt geklagt, weil diese die Ladenöffnung an Sonntagen untersagt hatte. Die Besitzer argumentierten dagegen, dass Gesetz erlaube an Bahnhöfen auch am Tag des Herrn den Verkauf von Reisebedarfsartikeln - wie etwa Zeitschriften, Bücher und Tonträger. Die habe auch der Sexladen im Regal.

Das Ladenschlussgesetz sieht Ausnahmeregelungen vom Sonntagsverkaufsverbot vor, und zwar auf "Personenbahnhöfen", soweit "Bedürfnisse von Reisenden erfüllt werden." Nach Meinung des Kreisverwaltungsreferats (KVR) hatte der Gesetzgeber bei dieser Regelung jedoch erotische Literatur nicht im Sinn.

Nach dem jetzigen Urteil sind jedoch auch Zeitschriften, Magazine, Andenken und Toilettenartikel aus Sex-Shops mit eingeschlossen - über Inhalt oder Verwendungszweck steht schließlich nichts im Gesetz.

Vor der Verhandlung hatten sich die drei Verwaltungsrichter bei einem Ortstermin über Lage und Angebot des Ladens informiert. Mit dem Verkauf von Kondomen hatte auch das KVR kein Problem. Die Sex-Shop-Besitzer bezeichneten jedoch auch Artikel wie das "Erotische Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel" als passendes "Reiseandenken".

Das Amt stieß sich vor allem an der Lage der "Erotic World". Es steht auf einem Gelände in Privatbesitz und sei damit kein Teil des Bahnhofs. Der Laden hat seinen Eingang aber im S-Bahn-Untergeschoss des Bahnhofs.

Az.: M 16 K 11.5642

aar/dpa
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