Debattenthema sexuelle Belästigung Was Frauen sagen, was Männer sagen

Wird sexuelle Belästigung in Deutschland ausreichend thematisiert? Nein, sagt eine knappe Mehrheit der Bevölkerung. Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Antworten deutlich.
Belästigung am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Belästigung am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Foto: imago/ Westend61

In Deutschland ist sexuelle Belästigung noch zu selten Thema, findet eine Mehrheit der Bürger. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. 52,8 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass "Eher zu wenig" oder "Eindeutig zu wenig" darüber gesprochen werde.

An der Umfrage nahmen rund 10.000 Menschen teil, sie wurden von 19. bis 23. Oktober befragt. In diesem Zeitraum lief die Debatte um den Filmproduzenten Harvey Weinstein schon seit Tagen. Dutzende Frauen werfen ihm sexuelle Übergriffe bis zur Vergewaltigung vor. Auch in Deutschland entstand eine Diskussion über Sexismus und sexuelle Gewalt, unter dem Hashtag #MeToo berichteten viele Betroffene von ihren Erfahrungen.

Frauen und Männer bewerten das Thema sehr unterschiedlich. So sind rund 30 Prozent der Männer der Ansicht, dass zu viel über sexuelle Belästigung gesprochen werde. Diese Auffassung teilen nur rund 16 Prozent der Frauen. Umgekehrt sagen 65 Prozent der Frauen, es werde wenig über sexuelle Belästigung gesprochen - und nur etwa 40 Prozent der Männer.

Auch zwischen Stadt und Land gibt es Unterschiede. Etwa 28 Prozent der Befragten in Orten mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte gaben an, dass zu viel über das Thema gesprochen werde. Dort, wo die Bevölkerungsdichte sehr hoch ist, sagen das rund 17 Prozent.

Beim Merkmal Parteipräferenz treten noch deutlichere Unterschiede auf. Krassestes Beispiel: Nur 14 Prozent der Grünen-Wähler sind der Ansicht, dass zu viel über sexuelle Belästigung gesprochen werde. Bei den Anhängern der AfD stimmen hingegen etwa 36 Prozent dieser Aussage zu. Unterstützern der Grünen ist das Thema offenbar besonders wichtig: Fast 65 Prozent meinen, dass zu wenig über sexuelle Belästigung gesprochen werde - auf so einen hohen Wert kommt keine andere Partei.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

jpz