Sexueller Missbrauch Bamberger Erzbischof fordert längere Verjährungsfrist

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick setzt sich für eine längere Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch von Kindern ein. Die derzeitige Gesetzeslage verhindere eine angemessene Strafverfolgung, sagte der Geistliche.


Bamberg - Neue Töne in der katholischen Kirche: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat eine längere Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gefordert. "Das Wichtigste sind die Opfer. Ihnen muss die Justiz Gerechtigkeit zukommen lassen", sagte Schick am Dienstag in Bamberg.

Er plädierte dafür, die Verjährungsfrist im Strafrecht auf 30 Jahre auszudehnen. So solle den Behörden auch wirklich ermöglicht werden, die Straftaten aufzuklären. Bei der heutigen Frist von zehn Jahren nach Volljährigkeit des Opfers könnten die Gerichte nicht angemessen handeln, so Schick.

Der Erzbischof appellierte an "alle beteiligten Institutionen", jeden begründeten Verdacht sofort der Staatsanwaltschaft zu melden und mit den staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten.

Missbrauchsfälle in Österreich

Auch in Österreich sind an zwei Einrichtungen der katholischen Kirche Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden. Dem ORF-Radiosender Ö1 zufolge wird dabei auch der derzeitige Erzabt des Stiftes St. Peter in Salzburg beschuldigt, der zum Tatzeitpunkt Priesteramtsanwärter war. Er habe den Missbrauch, der rund 40 Jahre zurückliegt, bereits gestanden und seinen Rücktritt angeboten. Wie ein heute 53-Jähriger Mann dem Radiosender sagte, wurde er auch von zwei anderen Patres der Benediktiner-Abtei sechs Jahre lang immer wieder missbraucht.

Die beiden Geistlichen, von denen einer inzwischen verstorben ist, wurden nach Angaben der Salzburger Staatsanwaltschaft 2005 in Marokko wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen festgenommen. Einer von ihnen wurde deshalb auch in Österreich verurteilt.

Der Erzabt des Klosters hat dem Opfer dem Bericht zufolge Ende 2009 in einem Brief 5000 Euro angeboten. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sagte dem Radiosender, die Summe sei kein Schweigegeld, sondern als Schmerzensgeld gedacht gewesen. "Das wollten wir auch mit dem Betroffenen abklären, wie viel das denn sein kann", sagte der Bischof.

Auch im Internat eines Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters wurde in den achtziger Jahren mindestens ein Schüler sexuell missbraucht. Die Tat wurde von der Schule jahrelang vertuscht. Wie Abt Anselm van der Linde den "Vorarlberger Nachrichten" sagte, war der Täter geständig. Die Schule habe den zuständigen Bischof informiert und den heute 74-Jährigen nach Tirol versetzt, wo er immer noch als Priester arbeite. Er habe auch eine Therapie gemacht. Der Vater des Jugendlichen habe damals auf eine Anzeige verzichtet.

hut/dpa/apn/AFP

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