Sexueller Missbrauch Katholische Kirche will Opfer individuell entschädigen

Mit der finanziellen Entschädigung von Missbrauchsopfern tut sich die katholische Kirche schwer. Nach Informationen des SPIEGEL haben die deutschen Bischöfe nun beschlossen: Betroffene sollen entsprechend der Schwere ihres Falls Zahlungen erhalten.


Hamburg - Die katholische Kirche will ihre Missbrauchsopfer finanziell nicht durch eine pauschale Summe entschädigen, sondern individuell je nach Schwere des Falls. Diesen Vorschlag wollen die deutschen Bischöfe an diesem Donnerstag beim Runden Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch" einbringen.

Dabei gehe es um Summen, "die der Schwere der Tat angemessen sind und die den Opfern wirklich helfen", kündigt ein Vertreter der Bischofskonferenz an. Das könnten, wie es in ähnlichen Fällen auch von deutschen Gerichten entschieden worden sei, zwischen 5000 und 10.000 Euro sein, jedoch nicht die von Opfervertretern pauschal geforderten 82.373 Euro. Allerdings sollen Kosten für Therapien und andere Hilfsleistungen auch in größerem Umfang von der Kirche erbracht werden. Die höchste bisher bekanntgewordene Summe betrug 25.000 Euro.

Auch wenn die ersten Zahlungen noch in diesem Jahr erfolgen könnten, kritisiert Christine Bergmann (SPD), die vom Bund berufene "Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs", die Haltung der Kirche als zu zögerlich: "Die Betroffenen wollen, dass Täter oder Institutionen für das Unrecht Verantwortung übernehmen. Die meisten, die sich bei uns melden, wollen eine finanzielle Entschädigung, weil sie durch das Missbrauchsgeschehen im beruflichen Leben oft nicht Fuß fassen konnten oder starke finanzielle Einbußen durch zum Teil langjährige Therapien hinnehmen mussten."

Der Opfersprecher Matthias Katsch drängt darauf, dass es "kein bürokratisches Anerkennungsverfahren" geben wird; außerdem sei es abwegig, wenn die Kirche mit der Opferentschädigung einen Klageverzicht verbinde: "Diese Koppelung darf es nicht geben."

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Arthi, 25.09.2010
1. .
Zitat von sysopMit der finanziellen Entschädigung von Missbrauchsopfern tut sich die katholische Kirche schwer. Nach Informationen des SPIEGEL haben die deutschen Bischöfe nun beschlossen: Betroffene sollen entsprechend der Schwere ihres Falls Zahlungen erhalten. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,719572,00.html
Die Opfer sollten sich nicht auf solche Almosen einlassen. Mit solchen lächerlichen Summen will diese weltweite Sekte sich nur freikaufen. Die schwere eines Falles kann eh nur das Opfer beurteilen und niemand anderes. Nun wollen bestimmt noch diese Bischöfe darüber entscheiden was schlimm war und was nicht. Dabei haben diese Oberpriester alle von den Machenschaften ihrer Organisation gewusst.
hsmoess 25.09.2010
2. Jesuitenvorschlag: 5000 Euro pro Opfer
Kleine Rechnung: Haus und Grundstück in Ravensburg, in dem ich aufgewachsen war (Miete), wurde von der besitzenden älteren Dame den Jesuiten vermacht. Sehr zurückhaltend geschätzter heutiger Wert: 500.000 Euro. Reicht also für 100 Opferentschädigungen. Derartige Erbschaften hatte der Orden allein in Ravensburg mehrere. Solche Entschädigungsangebote tun den kirchlichen Institutionen nicht weh. Sie sind ein "Nasenwasser". So sieht keine seriöse und ernsthafte Aufarbeitung aus.
jüttemann 25.09.2010
3. Unsinn
Zitat von ArthiDie Opfer sollten sich nicht auf solche Almosen einlassen. Mit solchen lächerlichen Summen will diese weltweite Sekte sich nur freikaufen. Die schwere eines Falles kann eh nur das Opfer beurteilen und niemand anderes. Nun wollen bestimmt noch diese Bischöfe darüber entscheiden was schlimm war und was nicht. Dabei haben diese Oberpriester alle von den Machenschaften ihrer Organisation gewusst.
Vielleicht erkundigen sie sich mal, was eine Sekte überhaupt ist, bevor Sie so einen abwertenden Begriff für die größte christliche Glaubensgemeinschaft verwenden. Das die RKK eine von der christliche Mutterreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft ist, wäre nicht nur mir neu. Für Ihre Behauptung, alle Amtsträger der Kirche hätten vom sexuellen Missbrauch gewusst, fehlt es an jeglichem Beweis, genau so wie für ihre Vermutung, die Bischöfe hätten sich ein Prüfungsrecht vorbehalten. Wenn Sie also einen irgendwie ernstzunehmenden Forenbeitrag posten wollten, dann ist Ihnen das gründlich misslungen.
mundi 25.09.2010
4. Es gibt eine Dunkelziffer, es gibt aber auch Trittbrettfahrer
Wenn ich sehe, wie die Missbrauchsopfer nach 30 Jahren um materielle Entschädigung feilschen und welche Summen inzwischen gehandelt werden, denke ich gründlich nach, ob auch ich nicht irgendwann missbraucht wurde... Ein altes Thema, Opferschutz, braucht nicht wieder aufgewärmt werden. Missbrauchsfälle gab es und gibt es in allen Einrichtungen, wo Kinder und Jugendliche abhängig von Eltern, Erziehern, Lehrer oder Trainer sind. Es ist kein Spezifikum einer christlichen Kirche. Dass bei dem Anspruch, den die Kirchen in moralischer Hinsicht an sich selbst und die anderen stellen besonders hoch ist, sind Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen oder gar vom kirchlichen Personal begangen, besonders verwerflich. Darüber eine neue Diskussion zu öffnen ist wenig hilfreich. Wobei ich die bekannten Fälle weder verteidigen noch beschönigen möchte. Jedem Menschen sollte die Hemmschwelle eines Opfers, in der Öffentlichkeit über sein Schicksal zu berichten, hinreichend bekannt sein. Deshalb auch die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen. Zusätzlich gibt es noch ein weiteres Problem: Im Strafrecht gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Da bei Sittlichkeitsverbrechen meistens keine Zeugen dabei sind, gilt dann Aussage gegen Aussage. Die Schiedsrichteraffäre oder der aktuelle Fall Kachelmann zeigen es ganz deutlich. Man kann vermuten, dass auch auf diesem Gebiet Menschen versuchen, aus persönlichen oder materiellen Gründen Andere mit Beschuldigungen zu belasten. In den USA sind viele solcher Fälle bekanntgeworden, dass besonders Prominente, um nicht in die Mühlen der Justiz zu geraten, mit hohen Abfindungen das mögliche Opfer entschädigten. Es fällt mir auf, dass just in dem Moment, wo im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen oder evangelischen Kirche über materielle Entschädigung diskutiert wurde, die Zahl der echten oder vermeintlichen Opfer deutlich gestiegen ist. Man könnte natürlich einräumen, dass die Diskussion Signalwirkung hatte und viele Opfer ermutigt hat, sich zu outen. Es bleibt aber der Restverdacht, dass es genügend "Trittbrettfahrer" gibt, die mit einer Forderung nach Entschädigung die Situation nutzen wollen. Oft handelt es sich um Fälle, wo die beschuldigten verstorben sind und deshalb eine Untersuchung schwierig wäre. Aus Scham neigt dann eine Pfarrei, Bistum oder Lehranstalt, formlos eine Entschädigung anzubieten, damit der Fall nicht publik wird. Fazit: Ich empfinde Abscheu, wenn ich an die Täter denke, die Opfer tun mir unendlich leid. Es darf aber wohl erlaubt sein, ohne Beschimpfungen und Pauschalurteilen ertragen zu müssen, auch die Schattenseite der Missbrauchsvorwürfe zu beleuchten. Meine Mutter sagte: Lieber unrecht leiden, als unrecht tun!
paul46 25.09.2010
5. Katholische Kirche kommt aus der Glaubwürdigkeitsfalle nicht heraus!
Dass die deutschen Bischöfe die Richtlinien für pädophile Verbrechen von Kirchenvertretern verschärft haben, ist natürlich zu begrüßen – denn dieselbe war seit langem überfällig. Dass die deutsche Bischofskonferenz die Chance vertan hat, eine Vorreiterrolle (nach den bereits erfolgten Beschlüssen der Jesuiten) für Entschädigungszahlungen zu beziehen, macht das Dilemma und den Skandal der katholischen Kirchen erneut deutlich. Alle Worte des Bedauerns und Entschuldigens verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn parallel zu diesen Worten keine Entscheidung zur Höhe der Entschädigungszahlungen fällt. Erneut versteckt sich die katholische Kirche hinter einen "runden Tisch", anstatt vornweg die Marschrichtung vorzugeben. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die kath. Kirche immer schnell bei der Hand ist, wenn es nicht weh tut – will sagen, wenn es nur Worte sind, die nichts kosten. Ein erneuter Verlust von Glaubwürdigkeit ist somit bei den Opfern und der Gesamtgesellschaft vorprogrammiert. Hinzu kommt, dass Entschuldigungen und Entschädigungen Selbstverständlichkeiten sind; man täusche sich nicht darüber hinweg, dass auch die schärfer gefassten Richtlinien das Problem der kath. Kirche bezüglich der Pädophilieverbrechen nicht lösen können und werden! Die Ämter- und Organisationsstruktur der Kirche – einschließlich ihrer 2000-jährigen Geschichte der Leib- und Frauenfeindlichkeit – sind als wichtige systemimmanente Verursachungsfaktoren für die Pädophilie-Verbrechen in der katholischen Kirche zu benennen. Die Sexualfeindlichkeit spiegelt sich auch heute noch in der Enzyklika "Humanae vitae" (1968) und die Frauenfeindlichkeit in den Enzykliken "Inter insigniores" aus dem Jahre 1978 und "Ordinatio sacerdotalis" aus dem Jahre 1994 wider; beide Schreiben versuchen, die Weigerung der Frauenordination als "göttliche Gebote" hochzustilisieren – wie peinlich! Die Bekräftigung des Kondomverbots durch Papst Benedikt gehört ebenfalls in diese Argumentationsreihe! In einem Sumpf von Intransparenz, Willkür und Verweigerung demokratischer Grundrechte konnte über Jahrzehnte all das heranwachsen, was wir heute mit Pädophilie-Verbrechen bezeichnen. Immer wurde vertuscht, geleugnet, verharmlost und vor allem gab es keine öffentlichen, demokratischen Gerichtsverfahren. Kein Kardinal bzw. Bischof hat bisher wegen Vergehen bzw. Verbrechen im Pädophiliebereich ein Gefängnis von Innen gesehen. Paul Haverkamp, Lingen
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