Zeltgefängnis Der Knast von "Amerikas härtestem Sheriff"

Joe Arpaio geriert sich als Law-and-Order-Fanatiker - entsprechend hart geht es in seinem Zeltgefängnis zu. Trotz Revolten und Misshandlung von Häftlingen hält "Amerikas härtester Sheriff" seine "Tent City" für eine gute Idee. Nun hat ein Fotograf den Alltag in der Zeltstadt dokumentiert.

REUTERS

Phoenix - Joe Arpaio hat seine ganz eigene Vorstellung davon, wie Recht und Gesetz durchzusetzen sind. Der 80-Jährige ist Sheriff des Bezirks Maricopa im US-Bundesstaat Arizona. Oft wird er "Amerikas härtester Sheriff" genannt, und er lässt keinen Zweifel daran, dass ihm die Bezeichnung gefällt.

Häftlinge in seinem Bezirk werden in einem besonderen Gefängnis untergebracht - in "Sheriff Joe Arpaio's Tent City", mehr als 400.000 Insassen wurden schon durchgeschleust. Vor kurzem feierte das Gefängnis, eine Zeltstadt am Wüstenrand im US-Bundesstaat Arizona, seinen 19. Jahrestag.

Was der Law-and-Order-Fanatiker Arpaio als gesunde Härte gegenüber den Häftlingen ansieht, verurteilen Kritiker, etwa die Unterbringung der Insassen in Zelten. Wenn es in Arizona heiß wird, steigen dort die Temperaturen teilweise auf mehr als 50 Grad. Zudem gibt es Vorwürfe, Häftlinge würden misshandelt. 1996 waren Hunderte Insassen in eine Revolte verwickelt und nahmen Angestellte mehrere Stunden als Geiseln. 2003 starb ein Häftling durch Schläge der Wachleute. Die Familie des Getöteten bekam zwei Millionen Dollar zugesprochen.

Nun hat ein Fotograf der Agentur Reuters Zugang zur Gefängnis-Zeltstadt bekommen. Seine Bilder dokumentieren den Alltag in der Haftanstalt - und sagen in ihrer Zurückhaltung und Schlichtheit mehr über das Leben in der "Tent City" aus als Arpaios stramme Rhetorik oder die Entgegnungen der Kritiker. In einer Sammelklage, von Bürgerrechtsorganisationen unterstützt, werfen mehrere Betroffene Arpaio Diskriminierung vor. Der Vorwurf: Arpaio und dessen Cops sollen gezielt Latinos schikanieren.

Arpaio ist derzeit auf Wahlkampftour. Er will zum sechsten Mal zum Sheriff gewählt werden. Insgesamt soll er für seine Kampagne mehr als sieben Millionen Dollar gesammelt haben.

In seiner Zeltstadt sind auch die Frauen inhaftiert, die die einzige weibliche chain gang der Vereinigten Staaten bilden. "Chain Girls" nennt sich die Gruppe selbst. Die Frauen sammeln Müll in öffentlichen Parks und helfen auch schon mal bei der Beerdigung von vereinsamten und mittellosen Bürgern - immer in kleinen Gruppen, durch Fußketten verbunden.

Bei der Feier zum 19. Jahrestag der "Tent City" sagte Arpaio, er glaube, sein Gefängnis schrecke Kriminelle ab. "Mütter sagen: 'Danke Sheriff. Mein Kind hasst Ihre Zelte. Er wird nie wieder hierher zurückkehren.'" Die abschreckende Wirkung belegen konnte Arpaio nicht.

ulz



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