Familienleben Man ist, wie man isst

Wie unterschiedlich sieht das gemeinsame Essen von Familien aus und was erzählt es über die Beziehungen? Fotografin Siân Davey ist durch Großbritannien gereist, um diese Frage zu beantworten.

Sian Davey

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Wie sieht das Essen bei Ihnen in der Familie aus? Nehmen Sie sich viel Zeit und kochen ein großes Menü, das Sie gemeinsam mit allen am Tisch verspeisen, während sie sich über den Tag unterhalten? Das echte Leben sieht oft anders aus: Aus Zeitmangel, weil die Termine nicht zusammenpassen oder man nicht kochen kann, kommen heute selten noch alle zum Essen zusammen.

Die Fotografin Siân Davey ist sechs Wochen lang durch Großbritannien gereist - vom Süden Englands bis zu den Inseln der Äußeren Hebriden. Sie hat 21 Familien besucht und beim Essen fotografiert. Mal war ein Elternteil alleinerziehend, mal waren die Eltern noch Teenager. Manche Familien hatten einen multikulturellen Hintergrund, einige waren wohlhabend, andere lebten an der Armutsgrenze.

Kontakt zu den Menschen nahm Davey über soziale Medien und lokale Gruppen auf. Da sich die Menschen freiwillig bei er Fotografin meldeten, luden sie alle bereitwillig in ihre Wohnungen, Häuser oder Wohnwagen ein, um sich bei ihrem Essensritual dokumentieren zu lassen.

Davey war gemeinsam mit dem Autor Tom Seymour unterwegs. Die beiden verbrachten mit jeder Familie zwei bis drei Stunden. Sie bat die Porträtierten, wie gewohnt ein Frühstück, ein Mittag- oder Abendessen zuzubereiten und zu essen. Sie sollten möglichst entspannt sein, sich wohl fühlen und authentisch verhalten.

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12  Bilder
Paare, Alleinerziehende und Großfamilien: So sieht ihre gemeinsame Mahlzeit aus

Irgendwann wurden Davey und Autor Seymor immer eingeladen, selbst am Tisch Platz zu nehmen: Sie teilten sich mit einer Familie, die auf der Insel Uist lebt, ein traditionelles hebräisches Essen. In Birmingham wurde Lammpilaw aus Pakistan gekocht.

In Daveys Fotos geht es weniger um die Mahlzeiten selbst als vielmehr darum, wie die Menschen zusammenkommen. Die Bilder zeigen eine Momentaufnahme des Familienlebens und erzählen viel über die Beziehungen in den Familien.

Die Gewohnheiten sind so verschieden wie die Menschen: Ein Paar mit einem Neugeborenen neigt dazu, im Schlafzimmer zu essen, weil es mit dem Baby so einfacher ist. Eine Familie findet das tägliche gemeinsame Abendessen wichtig, um sich auszutauschen. Die Kinder einer anderen Familie holen regelmäßig ihren an Demenz erkrankten Vater zu sich nach Hause oder besuchen ihn zu gemeinsamen Mahlzeiten.

Das Projekt brachte Davey zwangsläufig dazu, darüber nachzudenken, wie und wann sie mit ihrer eigenen Familie gemeinsam zu Tisch sitzt. Als alleinerziehende Mutter von vier Kindern sei das oft schwer umsetzbar. "Aber ich wurde mir immer bewusst, wie wichtig es ist, sich die Zeit zu nehmen, um zusammen zu essen."

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