Sieben Jahre nach Katrina New Orleans zittert vor "Isaac"

Der Tropensturm "Isaac" nimmt Kurs auf den US-Bundesstaat Louisiana. Hier hatte "Katrina" einst die Metropole New Orleans ins Chaos gestürzt. Die Angst wächst, gleich mehreren US-Küstenstaaten riefen den Notstand aus.

REUTERS

New Orleans - In Haiti wurden durch den Tropensturm "Isaac" bereits 19 Menschen getötet. Der Karibikstaat leidet noch heute unter den Folgen des verheerenden Erdbebens von 2010, bei dem 250.000 Menschen ums Leben kamen - die Schäden durch "Isaac" waren ein weiterer Rückschlag für den Wiederaufbau.

Jetzt zittert der US-Bundesstaat Louisiana davor, dass "Isaac" zu einem Hurrikan anwachsen könnte - und dann am Dienstag auf die Golfküste trifft. Am 29. August 2005 zog "Katrina" über New Orleans hinweg und riss 1800 Menschen in den Tod. Große Teile der Stadt wurden überflutet, zehntausende Häuser zerstört, Banden zogen plündernd durch die Stadt. Es entstand Milliardenschaden.

In der für seine Festivals und Jazzkneipen bekannten Metropole bildeten sich am Montag lange Schlangen an Tankstellen. "Die Beklemmung ist deutlich zu spüren", sagte Bürgermeister Mitch Landrieu. Gouverneur Bobby Jindal rief die Bevölkerung auf, sich mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten einzudecken und empfahl ihnen, ihre Häuser zu verlassen. In dem östlich von New Orleans gelegenen Bezirk St. Charles wurden am Montag 53.000 Menschen aufgefordert, die Region zu verlassen.

"Es ist nur schwer zu begreifen, dass sieben Jahre nach 'Katrina' fast auf den Tag genau ein neuer Hurrikan auf dem Weg zu uns ist", sagte der Gouverneur von Mississippi, Phil Bryant. In Gulfport im Staat Mississippi drängten sich Anwohnern in Supermärkten, um sich Vorräte an Wasser und Lebensmitteln zu sichern. Im Süden Floridas wurden Hunderte Flüge gestrichen, davon mindestens 500 allein in Miami.

"Isaac" fegte am Montag vor der Küste des US-Bundesstaats Florida entlang. Der Inselgruppe Florida Keys bescherte er schwere See und heftigen Regen. Nach Angaben des in Miami ansässigen Hurrikan-Zentrums hatte "Isaac" Windgeschwindigkeiten von hundert Kilometern pro Stunde. Das Zentrum warnte jedoch, dass der Sturm bei seinem Weg über den Golf von Mexiko innerhalb von 24 Stunden Hurrikan-Stärke erreichen könnte.

Kuba, das ebenfalls auf der Route von "Isaac" lag, kam glimpflich davon: Der Sturm habe keine größeren Schäden angerichtet, sondern vielmehr die Wasserreserven des Landes aufgefüllt, teilten örtliche Behördenvertreter am Montag mit. Nach Angaben der Staatszeitung "Granma" versorgte der Sturm die Reservoire der fünf östlichen Provinzen der Insel mit fast 75 Millionen Kubikmetern Wasser.

Nach Florida, wo "Isaac" den Beginn des Parteitags der US-Republikaner zur Kür ihres Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney verzögerte, riefen auch die Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama am Golf von Mexiko den Ausnahmezustand aus. Damit werden Gelder und Mittel zum Schutz vor dem Sturm bereitgestellt.

Das Kongresszentrum, in dem der Parteitag der Republikaner stattfindet, liegt direkt an der Bucht von Tampa. Die Parteiführung veröffentlichte am Sonntag (Ortszeit) ein auf drei Tage eingedampftes Programm. Auch wenn "Isaac" die Gegend im Westen Floridas nach neuen Vorhersagen nicht mehr direkt treffen sollte, wurde dennoch mit heftigen Regenfällen gerechnet.

Da wegen "Isaac" mehrere Förderanlagen im Golf von Mexiko geschlossen und geräumt werden mussten, zogen zu Wochenbeginn die Ölpreise an.

"Isaac" dürfte nach Einschätzung des Nationalen Hurrikan-Zentrums (NHC) der USA bis Mitte der Woche zwischen Florida und Louisiana auf die Küste treffen. Die Experten gehen davon aus, dass der Sturm über dem warmen Golf Geschwindigkeit aufnimmt und zu einem Hurrikan heranwächst.

ala/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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tylerdurdenvolland 27.08.2012
1. Ach, die machen das schon...
Zitat von sysopREUTERSDer Tropensturm "Isaac" nimmt Kurs auf den US-Bundesstaat Louisiana. Hier hatte "Katrina" einst die Metropole New Orleans ins Chaos gestürzt. Die Angst wächst, gleich mehreren US-Küstenstaaten riefen den Notstand aus. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,852388,00.html
Die Amerikaner die schaffen das schon... Die werden auch diesen "Isaac" wegbeten, genau wie sie das mit Katarina ja auch geschafft haben...
doktor_kumano 28.08.2012
2. 7 Jahre, und noch nichts gelernt
Unfassbar, dass 7 Jahre nach Katrina die einzige Maßnahme, die in St. Charles hierbei ergriffen wird, ist, die Leute zur Selbstevakuation aufzurufen. Anscheinend wurden die Lektionen nach Katrina nicht begriffen oder nicht umgesetzt. So hat sich die Vulnerabilität der Bevölkerung gegenüber Hurricanes anscheinend nicht verändert. Im Gegensatz zu den USA ist die Katastrophenvorsorge auf Kuba anscheinend schon bedeutend weiter. Sie scheinen begriffen zu haben, dass es um ein vielfaches billiger und effektiver ist, in Katastrophenvorsorge zu investieren, statt danach den Scherbenhaufen aufzukehren.
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