Skandal um Carl Gustaf Wie Rotlicht ist der König?

Brechen die Schweden nach dem Skandal um Carl Gustaf mit der Monarchie? Wegen angeblicher Eskapaden und Ausflüge des Königs ins Rotlichtmilieu diskutieren die Medien des Landes offen wie nie über zwielichtige Männerbünde - und ein uraltes Frauenbild, das der moderne Staat überwunden glaubte.

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Von , Stockholm


Schweden ist ein modernes Land. Regelmäßig landet der skandinavische Musterstaat bei internationalen Rankings auf einem der Spitzenplätze. Welches Land hat im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung die meisten Mobiltelefone? Schweden. Die meisten Internetanschlüsse? Schweden. Facebook-Anwender, iPhone-Besitzer, Twitterer? Schweden, Schweden, Schweden. Wo sonst sind so viele Frauen berufstätig, haben Kinder so viele Rechte? Wo sonst herrscht dieses Maß an Gleichberechtigung?

Modern zu sein ist ein Leitwert schwedischer Identität. Vielleicht ist das Land gar das modernste der ganzen Welt. Die Schweden selbst jedenfalls würden sich über so einen Titel - wenn es ihn gäbe - nicht einmal wundern. "Alt" oder "vermoost" gelten als üble Schimpfworte in einer Kultur, die technischen und sozialen Neuerungen stets eifrig den Weg frei macht.

Dass sich die Höchststeuersätze zahlenden Schweden aller Modernität zum Trotz ein Königshaus halten, mag wie ein Anachronismus wirken. Die Royals - Seine Majestät König Carl XVI. Gustaf Bernadotte, Gemahlin Silvia und die drei Kinder - genießen beispielweise im Duz-Land Schweden als einzige das Privileg, gesiezt zu werden.

Ausgemacht hat das den Schweden nie etwas, die entspannte Beziehung zwischen Volk und Königshaus hat sogar ein halbes Jahrhundert regierende Sozialdemokratie überdauert. Schweden ist ein pragmatisches Land. Die gekrönten PR-Beauftragten in Schloss Drottningholm, die den Tourismus beflügeln und internationale Handelsbeziehungen optimieren, hielt man bislang für unverzichtbar.

Dieses Selbstverständnis wird nun von der Skandalbiografie über Carl Gustaf, "Der widerwillige Monarch", in seinen Grundfesten erschüttert.

"König mit gesundem Appetit aufs Leben"

In dem Buch werden Schwedens Staatsoberhaupt nicht nur Kontakte ins Rotlichtmilieu unterstellt, die Autoren versuchen auch, Belege zu erbringen für ein wildes außereheliches Sexualverhalten, ausgelebt in miefigen Altherrenrunden.

Wenn der König bei seiner schon jetzt legendären Elchjagd-Pressekonferenz majestätisch geschwiegen hätte, statt sich mit wirren Erklärungen um Kopf und Kragen zu reden und damit jedermann den Eindruck zu vermitteln, an den im Buch gemachten Behauptungen sei zumindest teilweise etwas dran - vielleicht wäre es bei einem kleinen Skandal geblieben, wie Carl Gustaf schon viele überstanden hat. Stattdessen zweifeln viele Schweden nun ernsthaft, ob die Institution Monarchie eigentlich noch zeitgemäß ist.

Die ersten Reaktionen der Untertanen auf die Enthüllungsstory machten dem Regenten durchaus Hoffnungen auf einen glimpflichen Ausgang nach bewährtem Muster. "König mit gesundem Appetit aufs Leben", so brachte ein Leserbrief in einer großen schwedischen Zeitung Volkes Meinung über den Staatschef auf einen jovialen Nenner.

Landauf, landab wurde zunächst die ins liberale Skandinavien passende Losung ausgegeben, Carl Gustaf habe ein Recht auf ein Privatleben. Einige murrten zwar, das Königsamt bedeute auch eine moralische Vorbildfunktion. Doch sogar eine bekannte Frauenrechtsaktivistin wollte sich mit Kritik am König nicht dem Vorwurf aussetzen, "Feministinnen wären gegen Geschlechtsverkehr".



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Seite 1
mm01 15.11.2010
1. ....
Zitat von sysopBrechen die Schweden nach dem Skandal um Carl Gustaf mit der Monarchie? Wegen angeblicher Eskapaden und*Ausflüge des Königs ins Rotlichtmilieu diskutieren die Medien des Landes offen wie nie über zwielichtige Männerbünde - und ein uraltes Frauenbild, das der moderne Staat überwunden glaubte. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,729229,00.html
Das ist ein "schwedisches" Problem. Wir haben dafür "unseren" hochadeligen "Prügelaugust". Somit wäre auch "Bild der Frau" beim Friseur erledigt. Warum sollte ich dann noch SPIEGEL lesen?
coriolanus, 15.11.2010
2. Hab ich mir schon immer gedacht
Zitat von sysopBrechen die Schweden nach dem Skandal um Carl Gustaf mit der Monarchie? Wegen angeblicher Eskapaden und*Ausflüge des Königs ins Rotlichtmilieu diskutieren die Medien des Landes offen wie nie über zwielichtige Männerbünde - und ein uraltes Frauenbild, das der moderne Staat überwunden glaubte. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,729229,00.html
dass die auf der großen Elchhatz was anderes treiben. - Nicht ein einziger Elch war letzthin zu sehen!
helau-alaaf, 15.11.2010
3. lebt der journalist wirklich in stockholm?
Zitat: "Dass sich die Höchststeuersätze zahlenden Schweden aller Modernität zum Trotz ein Königshaus halten, mag wie ein Anachronismus wirken. Die Royals - Seine Majestät König Carl XVI. Gustaf Bernadotte, Gemahlin Silvia und die drei Kinder - genießen beispielweise im Duz-Land Schweden als einzige das Privileg, gesiezt zu werden." A) es erschüttert mich immer und immer wieder, wie schlampig der moderne SPIEGEL-journalismus inzwischen geworden ist. laut OECD-statistik bezahlen die schweden etwa 48 % "steuern und abgaben" (der unterschied ist mir schnuppe, das geld ist weg), deutschland aber satte 56 %! UNWIDERSPROCHEN selbst von der verlogenen uns Angie. B) es gibt auch heute nooch in schweden drei anredeformen: DU ("du") SIE ("Ni" - das N bitte groß gecshrieben) dritte Person (wünscht die Dame Kaffe? - "önskar damen kaffe"?) das sozialistische "du" ist seit jahren schleichend auf dem rückzug und zu meiner verblüffung werde ich als alter mann zunehmend selbst von jungen "fortschrittlichen" damen höflich mit "Ni" angesprochen - nicht immer, aber immer öfter. das "du" ist nach wie vor umgang - auch gegenüber dem kung und der drottning! habe das selbst zufällig mal vor jahren in Borgholm mitbekommen. die dritte person ist nicht ausgestorben, wird aber höchstens noch von sehr alten, sehr distinguierten schweden verwendet. was dann ganz lustig werden kann, wenn sich ein junger verkäufer / lieferant mit einer dame im gesetzten alter z.b. bei einer möbelanlieferung unterhält: "wo soll ich dir das zeug hinstellen?" "wäre der herr bitte so freundlich, den tisch ins wohnzimmer zu bringen?" über den übrigen artikel spar ich mir den komemntar, bringt eh nix. schönen abend alle miteinand!
mullemaus5 15.11.2010
4. schade!
Zitat von sysopBrechen die Schweden nach dem Skandal um Carl Gustaf mit der Monarchie? Wegen angeblicher Eskapaden und*Ausflüge des Königs ins Rotlichtmilieu diskutieren die Medien des Landes offen wie nie über zwielichtige Männerbünde - und ein uraltes Frauenbild, das der moderne Staat überwunden glaubte. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,729229,00.html
schade und traurig, dass sich die sympathische silvia mit solch einem 08/15 typen belastet hat. es ist gut, dass wir 1918 die monarchie zum teufel geschickt haben ... oder wohin? nach holland. egal. es war richtig. warum halten die schweden an ihrer versteinerten monarchie fest?
suai 15.11.2010
5. Schweden
Zitat von sysopBrechen die Schweden nach dem Skandal um Carl Gustaf mit der Monarchie? Wegen angeblicher Eskapaden und*Ausflüge des Königs ins Rotlichtmilieu diskutieren die Medien des Landes offen wie nie über zwielichtige Männerbünde - und ein uraltes Frauenbild, das der moderne Staat überwunden glaubte. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,729229,00.html
ist das praetensioeseste Land Skanidnaviens. Und die Bewunderung fuer Schweden treagt dazu bei. Die Beispiele blonggefaerbter Schwedinnen, die gerne geheiratet werden (tiger Woods, etc.) sind zahlreich. Ich habe mich schon oft gefragt, warum Schweden so toll gefunden wird. Danemark ist doch eigentlich viel cooler, die haben sich auch besser benommen waehrend der NS Zeit. Und die monarchie, auch so eine Lachnummer. Monarchie mit Leuten, die eigentlich einer ABBA Revue entsprugne sind, i.e. Hostessen als Koengin und Fitnesstraegern als Prinzen. Mamma Mia.
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