Skandal um Terry Richardson Starfotograf soll Models bedrängt haben

Gern nackt, gern jung: So mag der gefeierte Fotograf Terry Richardson seine Models. Aber hat er sie auch sexuell genötigt? Zwei Models berichten von Übergriffen - und haben damit einen Streit in der Modebranche über die Grenzen der Provokation ausgelöst.
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Terry Richardson: Posen für den Porno Chic

Foto: Evan Agostini/ AP

Ein Fotograf, der seinem Model in die Hand ejakuliert und ein Assistent, der ihr danach Taschentücher zum Abwischen reicht: Zu solchen Szenen soll es bei Fotoshootings mit Starfotograf Terry Richardson gekommen sein. Am Dienstag veröffentlichte das Model Jamie Peck auf der Website TheGloss einen ausführlichen Bericht darüber, wie Richardson sie bei einem Fototermin sexuell bedrängte.  Seitdem streitet die Modewelt über Richardson, seine Arbeitsmethoden - und das Mindestalter von Models.

Der New Yorker Richardson gilt das Erfinder des sogenannten "Porno Chic": Im Stile von Amateuraufnahmen fotografiert, treten seine Models wenig geschönt auf. Oft nehmen sie sexuell aufgeladene Posen ein oder treten gleich nackt auf. Auf Richardsons Website  steht unter der Überschrift "Für Terry modeln": "Hallo, wenn du männlich oder weiblich bist und Interesse daran hast, nackt für Terry Richardson zu posen, dann kontaktiere uns per E-Mail." In der Modeszene wird der 44-Jährige für seine gewagten Fotos größtenteils geliebt: Zu seinen Kunden zählen so renommierte Magazine wie "Vogue" oder "Harper's Bazaar" und Luxusmarken wie Gucci oder Miu Miu.

Mit der Begeisterung für Dauerprovokateur Richardson scheint in der Modebranche aber bis auf weiteres Schluss zu sein: Nach Jamie Peck hat auch die Dänin Rie Rasmussen den Fotografen scharf angegriffen. In einem Interview mit der "New York Post"  warf ihm Rasmussen vor, junge Mädchen zu bedrängen. "Er manipuliert sie, bis sie sich ausziehen und er Fotos von ihnen macht, für die sie sich schämen. Die Mädchen haben Angst, nein zu sagen, weil sie von ihren Agenturen für den Job gebucht wurden und sie noch zu jung sind, um ihre eigenen Interessen zu vertreten." Rasmussen hat Richardson nach eigenen Angaben vergangene Woche während einer Pariser Modenschau mit den Vorwürfen konfrontiert. Der sei daraufhin von der Schau "geflohen", habe sich aber am nächsten Tag bei Rasmussens Management über das Model beschwert.

"Ich glaube, dass Terry Richardsons Arbeitsmethoden in der Modebranche seit langem ein offenes Geheimnis sind", sagte Jenna Sauers von der einflussreichen US-Lifestyle-Website Jezebel.com dem britischen "Guardian". Sauers berichtete als eine der ersten von den Anschuldigungen.  "Meiner Meinung nach tolerieren viele Leute dies nach außen hin, weil er in der Branche überaus einflussreich ist. Persönlich sind viele verstört von seinem Umgang mit vielen seiner Models."

Unterdessen finden sich auch einige öffentliche Fürsprecher für Richardson. Model und Schauspielerin Soot Seear ("New Moon") sagte,  er würde niemanden zu etwas zwingen, das ihm nicht behage: "Alles, was bei den Fotoshootings passiert, ist teilnehmendes Spiel." Richardson selbst nahm am Samstag erstmalig Stellung zu den Vorwürfen: "Ich bin wirklich verletzt von den aktuellen und falschen Vorwürfen der Unsensibilität und des Fehlverhaltens", schrieb er auf auf seiner Website terrysdiary.com.  "Ich bin immer umsichtig und respektvoll mit den Leuten, die ich fotografiere, umgegangen. Ich erachte das, was ich tue, als eine echte Zusammenarbeit zwischen mir und den Menschen vor meiner Kamera."

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