Skulptur zerstört Hooligans attackieren Bruce Lee

Gleich zweimal wurde Bruce Lee an diesem Wochenende mit einem Denkmal geehrt. Doch während in Hongkong alles seinen zivilisierten Gang ging, kam es im bosnischen Mostar zu heftiger Randale. Hooligans schlugen dem Kung-Fu-Star die Kampfausrüstung aus der Hand.

Mostar/Hongkong - In seltener Einigkeit hatten Hunderte bosnische Kroaten und Muslime am Samstag in strömendem Regen der feierlichen Enthüllung der Bronzestatue beigewohnt. Zwei Jahre lang hatte sich die Jugendgruppe "Städtische Bewegung Mostar" für die Errichtung des lebensgroßen Monuments stark gemacht.

Die Wahl war mit Bedacht auf die verstorbene Kung-Fu-Legende gefallen, "weil alle sich mit ihm identifizieren können", erläuterte Sprecher Nino Raspudic. Lee stehe "für unsere Kinderträume von einer gerechten Welt, in der nicht rohe Gewalt siegt, sondern Geschicklichkeit und der Wille zum Kampf für das Gute".

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Empörung: Randalierer beschädigen Bruce-Lee-Skulptur

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65 Jahre nach seinem Geburtstag und rund 32 Jahre nach seinem Tod feierte Lee dann seine künstlerische Auferstehung in einem Park der bosnischen Stadt Mostar. An der Zeremonie nahmen neben den Mitgliedern des örtlichen Kung-Fu-Clubs in farbenfrohen Gewändern auch der deutsche Botschafter Arne Freiherr von Kittlitz und Ottendorf, Mitglieder der US-Vertretung und der chinesische Botschafter Li Shuyuan teil. Er wünschte den Einwohnern von Mostar, dass die Statue ihnen "Glück und Wohlstand" bringen möge: "Lee kämpfte für Gerechtigkeit, Freiheit und Versöhnung". Einen besseren Ort für sein Denkmal gebe es nicht.

Diese Behauptung wurde jedoch schnell widerlegt: Nur einen Tag nach der Einweihung machten sich vermutlich jugendliche Hooligans über das Denkmal her und schlugen dem Geehrten einen seiner Kampfstäbe inklusive der Verbindungskette aus der Hand. Dutzende Einwohner pilgerten daraufhin in den Park, um die Schäden zu besichtigen. "Schon wieder haben wir gezeigt, wie unzivilisiert der Balkan ist", entsetzt sich einer der Besucher. Jetzt ermittelt die Polizei.

Ein trauriger Vorfall, zumal viele Mostarer besonders stolz darauf waren, dass ihre Statue noch vor dem Denkmal in Hongkong enthüllt wurde. Dort wurde am Sonntag eine überlebensgroße Lee-Figur auf der Avenue of The Stars, dem Pendant zu Hollywoods "Walk of Fame", enthüllt.

Im Bosnien-Krieg 1992 bis 1995 hatte Mostar schwere Schäden davongetragen. Das Wahrzeichen der Stadt, die im Krieg zerstörte mittelalterliche Brücke, war erst im vergangenen Jahr wiedereröffnet worden. Das Verhältnis zwischen Kroaten und Moslems in der lange Zeit geteilten Stadt bleibt gespannt. Die beiden Volksgruppen leben nach wie vor voneinander getrennt in verschiedenen Stadtteilen. Die seit dem Kriegsende errichteten Denkmäler erinnern allesamt an ihre jeweiligen Helden, ebenso die Straßennamen.