Zweites Coronajahr So wenig Hochzeiten in Deutschland wie zuletzt im Ersten Weltkrieg

Es ist mehr als hundert Jahre her, dass die Zahl der Eheschließungen in Deutschland niedriger war als 2021. Dagegen kletterten die Geburtenzahlen auf ein Hoch.
Ja, ich will? Deutschland wollte eher nicht: Im Jahr 2021 gab es so wenige Hochzeiten wie lange nicht mehr (Symbolbild)

Ja, ich will? Deutschland wollte eher nicht: Im Jahr 2021 gab es so wenige Hochzeiten wie lange nicht mehr (Symbolbild)

Foto: Westend61 / IMAGO

Es ist lange her, dass in Deutschland so wenige Paare geheiratet haben wie im vergangenen Jahr. Dafür kamen im zweiten Jahr der Coronapandemie so viele Kinder zur Welt wie seit 1997 nicht mehr. Das geht aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes  hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden.

»Die Zahl der Eheschließungen in Deutschland ist im Jahr 2021 auf einen neuen historischen Tiefstand gesunken«, berichteten die Statistiker. Demnach heirateten im vergangenen Jahr 357.800 Paare. Das waren 4,2 Prozent weniger als 2020.

Im ersten Coronajahr war die Zahl der Hochzeiten bereits um 10,3 Prozent gesunken. Weniger Eheschließungen gab es den Angaben zufolge nur während des Ersten Weltkriegs in den Jahren 1915 bis 1918, für die Jahre 1944 und 1945 im Zweiten Weltkrieg liegen allerdings keine Daten vor.

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Im Osten wird noch weniger geheiratet als im Westen

Im Osten Deutschlands war der Rückgang der Zahl der Eheschließungen 2021 mit fast neun Prozent stärker ausgeprägt als im Westen mit minus 3,5 Prozent. Das kann nach Einschätzung der Statistiker auch daran liegen, dass in Ostdeutschland derzeit die Zahl der Menschen im Alter um 30 Jahre abnimmt.

Bei den etwa 30-Jährigen seien die Heiratsraten üblicherweise am höchsten, allerdings befinden sich aktuell die in den östlichen Bundesländern schwach besetzen Geburtsjahrgänge von Anfang der Neunzigerjahre in diesem Alter.

Die meisten Ehen wurden im vergangenen Jahr zwischen Mann und Frau geschlossen: 349.000, zwischen Menschen gleichen Geschlechts waren es 8.700, darunter auch einige Umwandlungen einer eingetragenen Lebenspartnerschaft in eine Ehe.

Zahl der Geburten ist angestiegen

Im Gegensatz zu den Eheschließungen hat sich die Zahl der Geburten zuletzt erhöht. Im Jahr 2021 kamen in Deutschland nach vorläufigen Angaben die meisten Kinder seit 1997 zur Welt, nämlich rund 795.500 – ein Anstieg um zwei Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020.

In Westdeutschland stiegen die Geburtenzahlen im Vergleich zu dieser Zeit sogar um mehr als drei Prozent. Anders in Ostdeutschland, wo die Geburten – unter anderem aufgrund der abnehmenden Zahl potenzieller Eltern – um mehr als fünf Prozent zurückgingen.

Auffällig war für die Statistiker: »Deutschlandweit war eine Zunahme der Geburten der dritten Kinder zu beobachten.« Die Zahl der Mütter, die schon zwei Kinder hatten und sich für ein weiteres Kind entschieden, stieg deutlich mehr als die Zahl derjenigen, die das erste Kind bekamen.

ktz/dpa