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29. Mai 2019, 12:40 Uhr

Fotoprojekt über Senioren

Da geht noch was

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Sie machen Sport, arbeiten länger, als sie müssten, singen und tanzen: Der Fotograf Dirk Opitz hat Rentner fotografiert, die ihr Leben im Alter genießen.

"Mit 66 Jahren fängt das Leben an. Mit 66 Jahren da hat man Spaß daran", sang Udo Jürgens einst. Fotograf Dirk Opitz findet: Da ist was dran. Mit seiner Fotoserie "Mit 66 Jahren" will er zeigen, dass das Alter nicht nur Negatives mit sich bringt.

Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Zum 31. Dezember 2017 lebten laut Statistischem Bundesamt rund 17,7 Millionen Menschen ab 65 Jahren in Deutschland, Ende 1997 waren es nur etwa 13 Millionen. Die Zahl der älteren Menschen erhöhte sich demnach um 36,6 Prozent innerhalb der vergangenen 20 Jahre.

Themen wie Altersarmut, Demenz oder Vereinsamung seien im Zusammenhang mit alten Menschen sehr präsent, er wolle die guten Seiten des Alters in den Vordergrund rücken, sagt Dirk Opitz. "Viele Rentner sind aktiv und unternehmungslustig, wollen Versäumtes nachholen und sich nicht ins gesellschaftliche Abseits drängen lassen", so der Fotograf.

In Zeitungen, im Internet oder in regionalen Fernseh- und Radioprogrammen, bei Sportvereinen und -Veranstaltungen suchte Opitz nach geeigneten Protagonisten für seine Fotoserie. Manche der Männer und Frauen waren gerade ins Rentenalter gekommen, andere waren 94 Jahre alt.

Renate aus Hamburg steht jede Woche auf Trödelmärkten, um ihre Rente aufzubessern; der 92-jährige Ernst unterhält sich am liebsten mit seinen Stammkunden, während er ihnen die Haare schneidet; Else Lemmes tritt mit 89 Jahren immer noch bei Rettungsschwimmer-Wettbewerben an; Günther schätzt am Schießsport die Gemeinschaft und die langjährige Tradition; Helmut liebt die Freiheit, die er mit seinem Gleitschirm in der Luft erlebt.

Opitz traf sie alle zwei- bis dreimal. "Ich wollte herausfinden, was ihre Motivation ist", sagt der Fotograf. Die meisten Menschen, die er kennenlernte, hatten eine sehr positive Lebenseinstellung - trotz körperlicher Gebrechen und sinkender Leistungsfähigkeit, finanzieller Probleme oder dem Tod des Ehepartners.

"Ich glaube, dass die Senioren mit all den Erfahrungen, die sie haben, und der immer noch vorhandenen Leistungsfähigkeit unterschätzt werden", sagt Opitz. "Dadurch geht viel an Potenzial verloren, das gesellschaftlich wichtig sein könnte. Es ist noch viel möglich in diesem Alter."

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