Spielerfrauen Victoria und die drei Damen vom Ball

Auf der Tribüne müssen Fußballerfrauen jubeln, den Mann anhimmeln und lächeln. Den Rest der vier WM-Wochen warten sie: auf den Anpfiff, auf den Abpfiff, auf das Trainingsende und das Bankett. Was sind das für Damen, die hierzulande in großer Zahl Quartier beziehen?

Von Florian Sailer


Hamburg - Zu ihren Männern dürfen sie selten, die müssen hinter den hohen Zäunen hermetisch abgeriegelter Luxushotels schwitzen. Dabei sein wollen die Fußballerfrauen aber doch bei der WM. Also mieten sie sich in der Nähe ein. Und sitzen jetzt irgendwo am Oberrhein (die englischen), im Taunus (die brasilianischen) oder im Allgäu (die aus Togo) herum. Auf die Frage nach einem offiziellen Kultur- und Spaßprogramm für die Kickergattinnen folgt Schweigen allerorten: "Kein Kommentar", "streng geheim", "Wir werden unseren Gästen jeden Wunsch erfüllen". Aha. Auch dass Victoria Beckham einen eigenen Betreuer zur Seite bekommt, sobald sie heute in Baden-Baden eintrifft - nur Gerüchte.

Spielerfrauen stehen im Schatten ihrer Männer und gerade bei einer Weltmeisterschaft doch im Blitzlichtgewitter. Ihr Prototyp ist Victoria Beckham: modebewusst, durchgestylt und für jeden Auftritt zu haben, der die "Marke Beckham" wertvoller macht. Sie verkörpert jedoch nur einen besonders schillernden von vier Spielerfrau-Typen, der zwar nicht besonders häufig, bei Kameras und Klatschpresse umso beliebter ist.

1. Die Managerin

Heute kaum mehr auf Stadiontribünen anzutreffen ist die Managerin. Sie steckte die Beraterhonorare gleich wieder zurück in die Familienschatulle, handelte die Verträge ihres Mannes aus und kümmerte sich ums Geschäft. Zu den bekanntesten Vertreterinnen dieser Spezies gehörten Stefan Effenbergs damalige Frau Martina, Bianca Illgner und Gaby Schuster. Ihnen wurden knallharte Transferpoker nachgesagt, die Europas Vereinsbossen statt einem Macho-Lächeln den Schweiß ins Gesicht trieben.

2. Die Frau eines Spielers

Diese Art lebt zwar meist zurückgezogen, kümmert sich um die Familie und hält sonst ihrem Gatten den muskulösen Rücken frei. Trotzdem trifft das böse Klischee des Heimchens am goldenen Herd nur bedingt zu: Bei ausgewählten Gelegenheiten nämlich schlüpft die Frau eines Spielers in die Rolle der Spielerfrau: Dann sonnt sie sich im Blitzlicht und verleiht ihrem Mann Glanz und Glamour. Gejagte Bundesligaspieler scheinen sich privat besonders nach Ruhe und einem sicheren Hafen zu sehnen. Viele von ihnen heiraten früh Vertreterinnen dieser Spezies. Prototyp dieser Gattinnen-Gattung ist Simone Lambe - obwohl sie noch gar keine Gattin ist. Über die Lebensgefährtin von Deutschlands bestem Kicker Michael Ballack ist wenig mehr bekannt, als dass sie Michael 1998 in einem Café in Kaiserslautern lieben lernte. Das letzte Wort zu diesem Frauentyp gebührt dem "Kaiser": Franz Beckenbauer sagte im April in einem Gespräch mit Lesern der "Bild am Sonntag" über die Arbeitsteilung mit seiner Lebensgefährtin Heidrun Burmester: "Ich habe meine Aufgaben, sie hat ihre Aufgabe. Besonders die Kinder zu erziehen. Das ist nicht leicht."

3. Das moderierende Model

Spielerfrauen sind schön. Auffallend viele - besonders aus südlichen Gefilden - sind ehemalige Profimodels, die bald nach der Fusion mit einem Fußballer im Fernsehen auftauchen. Der spanische Nationaltorhüter Iker Casillas etwa hat die ehemalige "Miss Spanien", Eva Gonzalez, zur Frau. Auch Kaká, der Spielmacher der Brasilianer, hat einem Model einen Ehering angesteckt: Caroline Celico. Und Jermaine Jones, Kapitän von Eintracht Frankfurt, ist mit der amtierenden "Misses Deutschland", Sarah Gerth, zusammen. Brasiliens Stürmerstar Ronaldo, selbst nicht als Modeltyp bekannt, war zunächst mit Moderatorin und Fotomodell Daniella Cicarelli liiert und hat jetzt Topmodel Raica Oliveira an seiner Seite. Ilary Blasi, die Frau des italienischen Kapitäns Francesco Totti, war erst ebenfalls Model, dann drehte sie im italienischen "Glücksrad" Buchstaben um und moderiert mittlerweile Samstagabend-Unterhaltung. In Deutschland hat es Verena Kerth, Freundin von Torhüter Oliver Kahn, ebenfalls zu einer zarten Fernsehkarriere bei "Premiere Win" gebracht. Das Attribut Spielerfrau scheint all diesen Laufbahnen mindestens nicht geschadet zu haben.

4. Die Beckham

Bei jeder Gelegenheit anzutreffen und doch äußerst selten ist die Spezies Beckham. Im Gegensatz zu Typ drei hat diese ihre ganz eigene Karriere bereits gemacht, bevor sie ihren Fußballer kennenlernte. Die Ur-Beckham Victoria etwa war Popstar bei den "Spice Girls", bevor der englische Flankengott David in ihr Leben trat. Jahrelang auf den großen Auftritt getrimmt, inszeniert sie den Alltag als Glitzershow. Einzigartig, unerreicht. Sie ist die Königin ihrer Art. Eine der wenigen, die sonst noch in der Kategorie geführt werden dürfen, ist die Ehefrau von HSV-Star Rafael van der Vaart. Sylvie van der Vaart hat in Holland bereits eine Moderatorinnen-Karriere gemacht, sieht gut aus und kümmert sich jetzt vollzeit um das frisch geschlüpfte "WM-Baby" des Paares. Sie ist eine Artgenossin der Blitzlicht-Königin Victoria Beckham. Zwar ist sie noch nicht ganz so weit, aber die Van der Vaarts werden immer öfter als die "neuen Beckhams" gehandelt. Manche behaupten, sie seien die sympathischeren.

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