Prostitution in Nürnberg Stadt verbietet Bordell über Kita

Darf in der Nähe spielender Kinder ein Bordell betrieben werden? Nein, entschied nun die Stadtverwaltung in Nürnberg - und verbot das horizontale Gewerbe in einem Mehrfamilienhaus mit Kindertagesstätte. Ein anzüglicher, aber gefälschter Werbebrief hatte die Eltern in Aufruhr versetzt.


Nürnberg - Ein Bordell über einem Nürnberger Kindergarten muss dicht machen. Die Stadt untersagte am Donnerstag mehreren Prostituierten die Nutzung von Wohnungen als "Stunden-Apartments" direkt über der Kita. Das teilte die Leiterin des städtischen Jugendamtes, Kerstin Schröder, mit. Bis das Bordell endgültig geschlossen ist, können allerdings noch einige Monate vergehen.

"Die Bauordnungsbehörde hat festgestellt, dass sich der bordellartige Betrieb in einem allgemeinen Wohngebiet befindet. Dort ist die Nutzung für derartige Zwecke nicht erlaubt", sagte Schröder. Diese Maßnahme sei am Mittwochabend bei einem Runden Tisch mit besorgten Eltern und Behördenvertretern beschlossen worden.

Der Kindergarten mit 50 Betreuungsplätzen im Stadtteil Werderau besteht nach Angaben der Amtsleiterin seit rund 20 Jahren. Dass in einigen Wohnungen in dem mehrstöckigen Wohnhaus Prostitution stattfand, habe in der Vergangenheit keine Probleme verursacht. Das habe sich mit dem Auftauchen der Flugzettel jedoch geändert. "Die Eltern sind verständlicherweise extrem besorgt", sagte Schröder. Die Verantwortlichen bei der Stadt seien sich deshalb einig über die Konsequenzen gewesen: "Diese Nutzung muss da raus", so Schröder.

In dem Haus waren vor einigen Tagen Flugzettel aufgetaucht. Darin wurden Väter, die ihre Kinder abholen, zum Bordellbesuch eingeladen. Nach Angaben Schröders hatten Polizeiermittlungen jedoch ergeben, dass es sich bei dem Flugblatt um eine Fälschung handelt.

Das Jugendamt hatte nach Angaben Schröders unmittelbar nach Auftauchen des Werbezettels Anzeige erstattet. Mittlerweile hätten die Polizeiermittlungen ergeben, dass es sich vermutlich um einen Racheakt an einer der Frauen gehandelt hat, sagte die Amtsleiterin.

Auf dem von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Zettel hieß es unter anderem: "Vielleicht holst Du Deine Kinder etwas früher ab und kommst vorher bei mir vorbei." Außerdem wurde erwähnt, dass man von der Wohnung aus den Kindern im Garten beim Spielen zuschauen könne.

jbr/dapd



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