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Stahnsdorf bei Berlin Holocaustleugner in ehemaliger Grabstätte eines jüdischstämmigen Wissenschaftlers beigesetzt

Der Bischof spricht von einem »schrecklichen Fehler«: Der Rechtsextremist Henry Hafenmayer ist im Grab eines jüdischstämmigen Wissenschaftlers beerdigt worden. An der Trauerfeier nahm auch Horst Mahler teil.

Der Holocaustleugner Henry Hafenmayer ist in Brandenburg im Grab eines jüdischstämmigen Wissenschaftlers beigesetzt worden. Das räumte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) in einer Pressemitteilung  ein.

Die Bestattung sei »ein schrecklicher Fehler«, sagte Bischof Christian Stäblein. Es handele sich um einen erschütternden Vorgang »angesichts unserer Geschichte«. Man werde nun schauen, »ob und was wir rückgängig machen können«.

Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet, darunter RBB  und »Bild«-Zeitung . In den Berichten hieß es, die Beerdigung an der Grabstelle sei aufgrund eines Patenschaftsvertrags für das Grab zustande gekommen. Die Evangelische Kirche teilte jedoch mit, dass keine Patenschaft bestanden habe. Die Grabstätte sei 1980 abgelaufen und zur Wiederbelegung frei gewesen. Der Grabstein des Musikwissenschaftlers Max Friedlaender habe sich aber noch dort befunden, weil der Südwestkirchhof samt der historischen Grabsteine unter Denkmalschutz stehe.

»Leitend ist dabei im Grundsatz, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte hat.«

Pressemitteilung der Evangelischen Kirche

Hafenmayer war der Kirche zufolge am vergangenen Freitag auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf in der ehemaligen Grabstätte Friedlaenders beigesetzt worden, der jüdischstämmiger Protestant war. Die EKBO habe die Entscheidung getroffen, die Anfrage nach einer Grabstätte nicht abzulehnen. »Leitend ist dabei im Grundsatz, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte hat«, heißt es in der Pressemitteilung.

Doch die Kirche räumt auch ein: »Die Brisanz des Vorgangs, an der Stelle eines jüdischstämmigen Protestanten einen Rechtsextremen beizusetzen und den rechtsgerichteten Trauergästen eine Art Bühne zu bieten, wurde im Vorfeld nicht erkannt.« Wie es dazu kommen konnte, teilte die Kirche nicht mit. Man prüfe den Vorgang, hieß es lediglich. Nach der Beerdigung seien durch das Friedhofspersonal politisch provokative Schleifen und Dekoration entfernt worden.

»Bild« und RBB zufolge nahm an der Trauerfeier unter anderem Horst Mahler teil. Der Rechtsextremist saß wegen zahlloser Fälle von Volksverhetzung jahrelang im Gefängnis. Der Verstorbene Hafenmayer war Medienberichten zufolge ebenfalls wegen Volksverhetzung verurteilt worden.

Der Antisemitismusbeauftragte von Berlin, Samuel Salzborn, stellte laut Justizverwaltung Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe. Salzborn schrieb bei Twitter, es liege auf der Hand, »dass Rechtsextremisten bewusst ein jüdisches Grab gewählt haben, um durch die Beisetzung eines Holocaustleugners die Totenruhe zu stören«.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte empört. »Die Bestattung eines Neonazis und Schoaleugners auf dem ehemaligen Grab des jüdischen Musikwissenschaftlers Max Friedlaender ist unerträglich«, schrieb Präsident Josef Schuster bei Facebook und Twitter.

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Die Polizei war bei der Beerdigung am Freitag im Einsatz. Zunächst hatten das Recherchenetzwerk Berlin und das Portal »Blick nach rechts« über die Bestattung berichtet.

Anmerkung der Redaktion: Ersten Medienberichten zufolge wurde die Beerdigung Hafenmeyers in dem Grab Friedlaenders durch einen Patenschaftsvertrag ermöglicht. Die Evangelische Kirche hat mittlerweile jedoch mitgeteilt, dass kein Patenschaftsvertrag bestanden habe. Das Grab sei 1980 abgelaufen und zur Wiederbelegung frei gewesen. Wir haben die Angaben im Text ergänzt.

bbr/dpa