Reform bei Trennungen Standesbeamte scheitern mit Vorstoß für Express-Scheidungen

In Italien kostet eine Scheidung ab 16 Euro, hierzulande kommen schnell 2000 Euro zusammen. Standesbeamte wollten Vereinfachungen durchsetzen - sehen sich aber durch Lobbyverbände ausgebremst.

Hochzeitspaar aus Strohballen (2016 in Baden-Württemberg): Scheidungen in Deutschland sind teuer
Thomas Warnack/DPA

Hochzeitspaar aus Strohballen (2016 in Baden-Württemberg): Scheidungen in Deutschland sind teuer


In Deutschland wird es vorerst keine einvernehmlichen Ehescheidungen im Expresstempo geben. Einen entsprechenden Vorstoß sehen die Standesbeamten als gescheitert an. "Wir konnten uns mit der Initiative leider nicht durchsetzen. In den Bundesministerien der Justiz und des Inneren in Berlin hieß es, dass es kein politisches Interesse gibt", teilte der Bundesverband der Deutschen Standesbeamten (BDS) mit.

Der Verband macht auch den Einfluss von Lobbyverbänden als Grund verantwortlich. Rechtsanwälten zum Beispiel würden hohe Einnahmen verloren gehen, wenn Scheidungen schneller und günstiger vonstattengingen.

Der BDS hatte wiederholt vorgeschlagen, statt eines Verfahrens vor dem Familiengericht könnten Standesbeamte die Ehe unter bestimmten Voraussetzungen auflösen, wenn die Betroffenen das wünschten. Der Verband betonte, dass die Standesbeamten die nötige Fachkenntnis besäßen. Familiengerichte würden entlastet.

Begründet wurde der Vorstoß auch mit Verweis auf andere EU-Länder. Der BDS nannte etwa Spanien, Italien oder Griechenland. Dort werde der reine Verwaltungsakt einer Scheidung, bei der es keinen Streit gibt und keine Minderjährigen betroffen sind, schneller abgewickelt. Vor allem müssten in einvernehmlichen Fällen keine Gerichte bemüht werden, erklärte der BDS.

In Italien, wo Trennungen ohne Beteiligung von Gerichten bereits seit Dezember 2014 möglich sind, koste die Scheidung gerade einmal 16 Euro und in Spanien 50 Euro Gebühren, berichtete der BDS. In Deutschland hingegen verschlinge der Schritt durch Anwaltshonorare schnell mal 2000 Euro.

"Wir hinken der Entwicklung hinterher. In Europa tut sich eindeutig ein anderer Trend auf. Wir geraten in eine Exotenposition", sagte Karl Krömer, Vorsitzender des Fachausschusses im deutschen Standesbeamten-Verband. Einvernehmliche Scheidungen im Schnellverfahren realisieren zu können, sei "überfällig".

Familienrechtler argumentieren dagegen und sagen, selbst bei vielen Trennungen, die zunächst unkompliziert erschienen, ergäben sich in der Praxis immer wieder Streitpunkte. Wenn es um Feinheiten wie den Versorgungsausgleich und den Zugewinnausgleich unter Eheleuten gehe, werde es knifflig. In Deutschland wurden 2018 laut Statistischem Bundesamt rund 148.000 Ehen geschieden.

mmq/dpa

insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
karlo1952 16.11.2019
1. War ja klar,
dass Rechtsanwälte sich gegen eine einfache Lösung wehren. Sie gingen ja sonst am Hungerstock. Ich frag mich nur, warum das alles in anderen EU-Länder so einfach geht. Da wäre mal eine europaweite Lösung angebracht. Aber Uhrzeit umstellen ist ja wichtiger.
frankenbaer 16.11.2019
2. Die Lobbyisten
Hier zeigt sich erneut, wie wichtig es wäre, ganz Berlin zu lobbyistenfreien Zone zu erklären. Aber da wäre allen voran die Lobby der Gastronomie auf der Palme.
Cratter18 16.11.2019
3.
Am besten einfach zusamenbleiben. Steuern spart man damit auch.
Sleeper_in_Metropolis 16.11.2019
4.
Schade. Eine Expressscheidung wäre wirklich eine lobenswerte Sache, aber wie im Artikel schon erwähnt wurde, haben halt Anwälte&Co. angst, das ihnen Einnahmen wegbrechen.
NotSoGood 16.11.2019
5. Familienrechtler argumentieren ...
Geld muss verdient werden ... das ist alles. Wenn e s in mehreren Ländern einfacher und mit weniger Verwaltungsakt funktioniert, dann ist der Beweis doch erbracht, worum es hier geht.
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