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SPIEGEL-Recherche Stasi hörte seit 1975 West-Berliner Autotelefone ab

Der Berliner Justizsenator wurde über die geplante Beerdigung von Ulrike Meinhof informiert – und die Stasi hörte mit. Nach Informationen des SPIEGEL hatte die DDR-Geheimpolizei sein und weitere Autotelefone angezapft.
aus DER SPIEGEL 39/2021
Herrmann Oxfort (l.) 1975 in Berlin: Als er mit der Senatspressestelle telefoniert, hörte die Stasi heimlich mit

Herrmann Oxfort (l.) 1975 in Berlin: Als er mit der Senatspressestelle telefoniert, hörte die Stasi heimlich mit

Foto: Konrad Giehr / picture-alliance/ dpa

Techniker des DDR-Ministeriums für Staats­sicherheit haben sich spätestens 1975 in das B-Netz der Deutschen Bundespost gehackt und konnten so die Autotelefone von West-Berliner Spitzen­politikern abhören. Das geht aus Stasiakten hervor, die der SPIEGEL einsehen konnte.

Demnach rief am 12. Mai 1976 um 13.38 Uhr ein Mitarbeiter der West-Berliner Senatspressestelle den damaligen Justizsenator Hermann Oxfort (FDP) in seinem Dienstwagen an und informierte ihn darüber, »dass die Ulrike Meinhof am Wochenende hier in Berlin begraben wird«. Oxfort darauf: »Ach du lieber Gott.« Der Beamte weiter: »Das wird bedeuten, dass wir ein heißes Wochenende bekommen.« Oxfort wieder: »Ach, du lieber Gott.«

Aus: DER SPIEGEL 39/2021

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Dann fiel dem liberalen Justizsenator auf, dass er am Tag der Beerdigung der RAF-Terroristin gar nicht in Berlin sein werde. Erleichtert stellte er fest: »Nach mir die Sintflut.«

Im Protokoll eines anderen Autotelefongesprächs, das Oxfort mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz (SPD) führte, ist nachzulesen, wie die beiden über die Entführung einer Air-France-Maschine  durch ein deutsch-palästinensisches Terrorkommando nach Entebbe debattierten. »Ich höre bloß, ihr habt einen Krisenstab gegründet«, sagte Schütz. Oxfort: »Ach wo. Unsinn, Unsinn, kein Wort von wahr.«

mbs

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