Sterbehilfe Christen, Juden und Muslime gegen "Gnadentötungen"

Interreligiöser Vorstoß gegen Sterbehilfe: Mit einem gemeinsam unterzeichneten Dokument haben Vertreter dreier großer Weltreligionen vor einem Anwachsen von "Gnadentötungen" gewarnt.

Sebastian Kahnert/ zb/ DPA

Erst vor wenigen Tagen machte der Fall Marieke Vervoort Schlagzeilen: Die belgische Paralympics-Goldgewinnerin hatte im Alter von 40 Jahren Sterbehilfe in Anspruch genommen. Sie litt an einer unheilbaren und extrem schmerzhaften Muskelerkrankung, die sie an den Rollstuhl fesselte. Die Entscheidung der Ausnahmesportlerin brachte das Thema Sterbehilfe erneut in die Diskussion. In Belgien ist sie - anders als in Deutschland - seit 2002 legal.

Vertreter christlicher, jüdischer und muslimischer Glaubensgemeinschaften haben nun eine Zunahme solcher "Gnadentötungen" konstatiert. Vor allem in den Niederlanden, Belgien, Kanada, Australien und verschiedenen US-Bundesstaaten seien die Zahl der Sterbehilfeakte angewachsen, heißt es in einer vom Chefrabbinat aus Israel verbreiteten Erklärung zu dem in Rom unterzeichneten Dokument.

Es gebe in diesen Ländern Krankenhäuser, die bestimmte Ärzte und medizinisches Personal ermutigten, Herz-Lungen-Maschinen bei todkranken Patienten abzuschalten, hieß es weiter. Es würden dort sogar Familien ermutigt, aktiv das Leben von Patienten im Endstadium zu beenden, indem sie ihnen Gift injizierten.

Laut jüdischem Glauben und dem der anderen Weltreligionen bedeute dies "Mord" mit der Rückendeckung des medizinischen Personals, hieß es in der Mitteilung.

Sterbehilfe und Suizid seien moralisch wie ethisch falsch und sollten ausnahmslos verboten werden, so die Verfasser des Schreibens. Suizidbeihilfe stünde "völlig im Widerspruch zum Wert des menschlichen Lebens" und sei deshalb als falsch zu bewerten.

Dem Portal Vatican News zufolge wurde der Entwurf des Dokumentes von einer interreligiösen Gruppe erarbeitet, die von der Päpstlichen Akademie für das Leben koordiniert wurde. Nach der Unterzeichnung präsentierte Rabbinats-Direktor Rabbi Mosche Dagan das Dokument Papst Franziskus.

ala/dpa



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