Umfrage Mehrheit der Deutschen für aktive Sterbehilfe

Wie soll man mit todkranken Menschen umgehen, die nicht länger leben wollen? Einer Umfrage zufolge sind 70 Prozent der Deutschen für aktive Sterbehilfe. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich nicht gut über die derzeit gültigen Regeln informiert.
Schwierige Entscheidungen: Wie umgehen mit dem Thema Sterbehilfe?

Schwierige Entscheidungen: Wie umgehen mit dem Thema Sterbehilfe?

Foto: Corbis

Hamburg - Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland befürworten Sterbehilfe. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage hervor, die von der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Auftrag gegeben wurde. Demnach möchten 70 Prozent der Befragten bei einer schweren Erkrankung die Möglichkeit haben, etwa auf ärztliche Hilfe bei der Selbsttötung zurückzugreifen. 22 Prozent der Befragten lehnen dies für sich ab.

In der Umfrage wurden 1005 Personen nach aktiver Sterbehilfe gefragt, zum Beispiel durch die Verabreichung einer tödlichen Medikamentendosis. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten, Beihilfe zum Suizid dagegen nicht. Wer einem Todkranken beispielsweise Gift nur besorgt, macht sich nicht strafbar. Verboten ist jedoch die Mitwirkung eines Arztes bei der Selbsttötung eines Patienten. Innerhalb der EU ist aktive Sterbehilfe nur in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg erlaubt.

In Deutschland wird schon lange über eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe debattiert. Über ein Verbot gewerbsmäßiger Sterbehilfe wird der Bundestag voraussichtlich ohne Fraktionszwang entscheiden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat sich bereits für eine Bestrafung jeglicher geschäftsmäßiger Hilfe zur Selbsttötung ausgesprochen. Vor kurzem sprach sich der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering klar gegen aktive Sterbehilfe aus.

Dass der Bundestag - wie geplant - das Thema gesetzlich neu regelt, stößt der Umfrage zufolge auf breite Zustimmung. 79 Prozent der Befragten finden es gut, wenn sich das Parlament mit dem Thema Sterbehilfe beschäftigt. Vor allem die 14- bis 29-Jährigen (86 Prozent) unterstützen den Plan.

"Die Ergebnisse zeigen, dass die Politik ein Thema diskutiert, das die Menschen sehr bewegt", sagte DAK-Vorstandschef Herbert Rebscher. "Es wird aber auch deutlich, dass es noch weiteren Aufklärungsbedarf gibt." Laut Umfrage fühlt sich die Mehrheit der Befragten "weniger gut" (41 Prozent) oder "überhaupt nicht gut" (16 Prozent) über die derzeit geltenden Regelungen bei der Sterbehilfe informiert. "Sehr gut" im Bilde sehen sich nur acht Prozent, 35 Prozent "gut".

Ein Viertel der Befragten (26 Prozent) nutzt die bereits bestehende gesetzliche Regelung der Patientenverfügung. Darin geht es um den Willen des Patienten, ob und wie Ärzte bei schweren Krankheiten lebenserhaltende Maßnahmen einsetzen. Weitere 48 Prozent der Befragten planen, eine Patientenverfügung zu verfassen. 23 Prozent lehnen das ab.

hut/dpa
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