Verbot aufgehoben Spanisches TV überträgt Stierkämpfe wieder live

Zu teuer und brutal, urteilte die sozialistische Regierung in Spanien 2006 und verbannte die Liveübertragung von Stierkämpfen aus dem TV. Der neue Ministerpräsident ist hingegen Torero-Fan. Nun kehrt die umstrittene Tradition ins Fernsehen zurück - zur besten Sendezeit für Kinder.

Stierkampf in Barcelona (2011): Nach sechs Jahren wieder live im staatlichen Fernsehen
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Stierkampf in Barcelona (2011): Nach sechs Jahren wieder live im staatlichen Fernsehen


Madrid - Sechs Jahre waren Live-Stierkämpfe im spanischen Fernsehen verboten. Am heutigen Mittwoch flimmern die Matadore wieder über den Bildschirm - und die Kontroverse um die blutigen, aber traditionellen Kämpfe geht in einer weitere Runde.

2006 stoppte die sozialistischen Regierung die Liveübertragung der Kämpfe und begründete dies unter anderem mit den Kosten: Die Rechte seien zu teuer, und immer weniger Zuschauer zeigten Interesse. Im vergangen Jahr verloren die Sozialisten die Macht im Land, der neue spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy ist bekennender Stierkampf-Fan.

Ein "Rückschritt für das Wohlergehen der Tiere" ist dies für eine Sprecherin der Tierschutzorganisation Pacma. Sie kritisierte vor allem, dass die Liveübertragung in eine Zeit falle, in der aus Kinderschutzgründen keine gewalttätigen Inhalte ausgestrahlt werden dürften. Der staatliche Fernsehsender TVE überträgt das Stierkampf-Festival ab 18 Uhr live aus der Provinzhauptstadt Valladolid in Zentralspanien. Der Sender hatte seine eigenen Vorgaben, die Stierkämpfe bisher als gewalttätig einstuften, jüngst geändert.

Für die Anhänger des Stierkampfs ist es ein wichtiger Erfolg: Katalonien hatte im Juli 2010 ein Verbot der Stierkämpfe beschlossen, vor einem Jahr erhielt in Barcelona der letzte Stier den Gnadestoß. Die Region war damit die erste auf dem spanischen Festland, die mit der jahrhundertealten Tradition der Stierkämpfe brach. Erst im August hatte der Bürgermeister der baskischen Küstenstadt San Sebastián laut Medienberichten nachgezogen: Die städtische Arena werde er künftig nicht mehr an Unternehmen vermieten, die Stierkämpfe veranstalten. Er teile die Argumente von Tierschützern, die die sogenannten Corridas als barbarisch bezeichnen.

Dem stehen wirtschaftliche Argumente gegenüber - gerade in Zeiten der Krise. Der Stierkampf ist mit rund 40.000 Arbeitsplätzen und Milliardengewinnen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Spanien. Die Befürworter der Kämpfe betonen zudem deren kulturelle Tradition.

Kritiker vermuten, dass Rajoy mit der Entscheidung, die Corridas wieder live im staatlichen Fernsehen zu zeigen, gegen seine sinkende Popularität angehen will.

sun/dapd/AFP/AP



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