Still-Foto-Debatte Amme muss nach Protesten Facebook-Account schließen

Für eine Frau in Not übernahm die US-Amerikanerin Rebecca Wanosik Mutterpflichten: Sie stillte deren Kind. Ein Foto davon entzweite die Facebook-Gemeinde - Wanosiks Account wurde nach Protesten vorübergehend gesperrt.

Rebecca Wanosik ist eine hilfsbereite Frau. Als die junge Mutter von einem Freund per SMS gefragt wurde, ob sie vorübergehend das Kind einer Frau stillen könne, die operiert werden müsse, sagte sie ohne zu Zögern zu."

"Das war doch keine Frage", schrieb die 33-Jährige auf ihrem Facebook-Account und postete auch gleich noch ein Bild von zwei sehr zufrieden wirkenden Babys, die gleichzeitig von ihr gestillt werden.

Der "stilladoptierte" Säugling war ausschließlich mit Muttermilch ernährt worden und verweigerte die Flasche. Weil aber die Mutter eine Weile im Krankenhaus bleiben musste, war die Sorge groß, dass das Kind zu wenig Nahrung bekommen könne. Das Baby sah hungrig aus, also tat Wanosik das, "wovon ich hoffe, dass es jede Frau auch für mein Kind tun würde, wenn es in einer verzweifelten Situation wäre".

Die sechsfache Mutter fackelte nicht lange und legte das fremde Kind an ihre Brust. Eine sehr persönliche Entscheidung und eigentlich reine Privatsache, hätte Wanosik das Foto nicht veröffentlicht. Während einige Facebook-User schwärmten, wie schön das Bild sei, ätzten andere, die stillende Mutter hätte doch bitte ihre Brüste bedecken sollen. Sogar eine Warnung wurde gepostet, Fremdstillen sei "sehr gefährlich", weil dabei Krankheiten übertragen werden könnten.

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Die Folge: Der Account von Wanosik wurde vorübergehend gesperrt. Facebook hatte laut eigener Aussage Meldungen erhalten, wonach die Community-Standards verletzt worden seien. "Wenn Sie es nicht mögen, schauen Sie doch einfach nicht hin!" regte sich Wanosik auf.

Euch Ehemann Anthony protestierte auf seiner Facebook-Seite gegen die Entscheidung: "Der Account meiner Frau wurde gesperrt, weil sie selbstlos gehandelt hat. Komm schon Facebook, es war für eine gute Sache." Das Unternehmen untersuchte den Vorfall erneut und kam zu dem Schluss, dass keine Regelverletzung vorlag. Der Account wurde wieder aktiviert.

Ein Sprecher von Facebook sagte dem britischen "Independent": "Still-Fotos sind auf Facebook erlaubt. Wir finden, dass Stillen eine natürliche Sache ist, und wir wissen, dass es für Mütter wichtig ist, ihre Erfahrungen mit anderen auf Facebook zu teilen."

Wanosik war bereits im Sommer 2015 in die Schlagzeilen geraten. Damals berichteten US-Medien darüber, dass die Kinderschutzbehörden in Lebanon im US-Bundesstaat Missouri ihr vorübergehend fünf Kinder entzogen hätten. Ein Kinderarzt habe bei einer damals neun Monate alten Tochter eine Fraktur am Arm und drei gebrochene Rippen festgestellt und das Jugendamt alarmiert, berichtete NBC . Der Vorwurf lautete auf Kindesmisshandlung, was die Eltern stets bestritten.

Nach mehreren Untersuchungen kam heraus: Das kleine Mädchen litt offenbar an einer durch Vitamin-D-Mangel verursachten Rachitis verbunden mit einer Bindegewebserkrankung, dem Ehlers-Danlos-Syndrom. Die Knochenbrüche, so die Vermutung, hätten bei der Geburt entstanden sein können. Zehn Monate war die Familie getrennt, dann gaben die Behörden aufgrund der mutmaßlichen Fehlannahme ihr Okay für eine Rückführung.

Jetzt sind die Wanosiks wieder zusammen - und auch der Facebook-Account ist erreichbar. Die Aufregung um das Still-Foto kommt Wanosik sicher nicht ganz ungelegen. Sie verkauft - ebenfalls über Facebook - Kraftnahrung für stillende Mütter. In Keksform.

ala
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