Stoiber trifft Doppelgänger "Ich bin, äh, sehr aufgeregt, äh"

Sie haben Edmund Stoibers Mimik, Gestik und Sprache fast perfekt kopiert. Jetzt lud der Politiker seine Doubles Michael Lerchenberg und Wolfgang Krebs erstmals in die Staatskanzlei ein - zu einem zünftigen Weißwurstfrühstück.


München - "Ich bin, äh, sehr aufgeregt, äh, wenn ich mich, äh, heute selbst besuche", sagte Krebs alias Stoiber vor dem Treffen. "Dann werde ich endlich vor mir selbst stehen." Wie sein Kollege Lerchenberg war er "in Zivil" erschienen. An Stoiber erinnerte heute nur das weißblond gefärbte Haar. Für Auftritte als Double trage er eine Perücke und sitze zuvor eine Dreiviertelstunde in der Maske, sagte Krebs. Der Schauspieler mimt in der BR-Sendung "Quer" den Landesvater.

Was "einen echten Stoiber" ausmacht, verriet Krebs mit schief gelegtem Kopf und fahrigen Kinnbewegungen in alle Richtungen: Zunächst müsse man die Stimmlage "um einiges erhöhen und sämtliche Worte auf dem Anfang betonen". Außerdem müsse man staatstragende Gesten beherrschen, denn: "Nach dem Papst kommt in Bayern sofort der Ministerpräsident." Dann noch ein bisschen wippen, fuchteln und mit der Hand zur Brille fahren "und ab und zu über den Rand der Brille schauen, verächtlich oder bedrohlich. Das war's schon", so Krebs.

Zwölf Jahre lang imitiert Krebs Stoiber schon. Ständig ist er auf der Suche nach neuen Gesten, "die ich sofort kopiere". Schauspieler Lerchenberg tritt seit 22 Jahren als Stoiber-Double auf - unter anderem beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg.

Flammendes Transrapid-Plädoyer

Gefragt nach einem Stoiber-Klassiker antwortete Krebs: "Sie steigen in den Hauptbahnhof ein..." Er spielte damit auf Stoibers flammendes Transrapid-Plädoyer an, in dem sich der CSU-Politiker dauernd verhaspelte. Stoibers Rede breitete sich im Frühjahr 2003 wie ein Lauffeuer im Internet aus und sorgte zwischen Flensburg und Füssen für ebenso fröhliches wie fassungsloses Gelächter.

Krebs, selbst seit 15 Jahren CSU-Mitglied, betonte, dass Stoiber noch mehrmals für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren könne. 2013 sei er mit 71 Jahren nicht zu alt. "Schauen Sie sich die großen Staatsmänner doch an, die Queen in London, Jacques Chirac in Frankreich oder den Papst." Und der Doppelgänger fügte hinzu: "Ich mache als Ministerpräsident weiter, solange es mir passt, äh, solange der Wähler will, äh, also bis 2030 oder so." Rente könne er sich vielleicht mit 97 vorstellen.

Und so hofft Krebs auf die eine oder andere Verlängerung von Stoibers Amtszeit: "Ich werde mit ihm gemeinsam aufsteigen oder fallen. Stoiber ist wie eine Art Leibrente." Und der Ministerpräsident wiederum versprach: "Ich werde mich bemühen, dass Sie noch einige Jahre zu tun haben."

aki/AP



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