Strafmaßnahme Bär soll ins Umerziehungsheim

Seit mehr als einer Woche foppt ein Braunbär die Jäger im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Die sollen JJ1 eigentlich abschießen. Inzwischen haben die Tierschutzorganisationen aber etwas ganz anderes mit dem ungezogenen Tier vor.


München - Nach dem Willen des WWF soll der Bär gefangen und umerzogen werden. Möglich sei das etwa in einem Freigehege nahe München, sagt eine Sprecherin der Naturschutzorganisation. Anschließend soll der Bär an einem anderen Ort wieder ausgesetzt werden. Da aber das Tier nie an einen Ort zurückkehre, gestalteten sich die Fangversuche derzeit als sehr schwierig.

Braunbär JJ1: Immer einen Schritt voraus
DDP

Braunbär JJ1: Immer einen Schritt voraus

So ist ihm seit Tagen ein Expertenteam in Tirol auf der Spur. Doch der Einsatztruppe, bestehend aus Mitarbeitern von Behörden und Tierschutzorganisationen, ist es noch immer nicht gelungen, das Tier in eine Falle zu locken. "Der Bär ist uns immer einen Schritt voraus", berichtet Jens Laas vom österreichischen WWF.

Zugleich legen Experten der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" im Gebiet des grenznahen Achensees täglich Aas aus. "Der Bär soll lernen, dass er in der Gegend, in der er sich gerade aufhält, einfach und ohne Gefahr an Nahrung rankommt", sagt Geschäftsführer Andreas Sax. Als Kadaver dienten Ziegen und Schafe, die der Bär teilweise selbst gerissen hat. "Ein Bär mag es, wenn es stinkt", so der Experte. Ziel sei es, ihm eine Spur zu legen, um ihn damit in die Falle zu locken.

Schon die Mutter des jungen Bären, Jurka, die aus Slowenien stammt, ist als "äußerst lernresistent" aufgefallen: Sie zeigt wenig Scheu und dringt immer wieder in Siedlungen vor. Auf ihren Streifzügen hatte sie auch ihre beiden Söhne mitgenommen und ihnen dabei dieses Verhalten beigebracht. Versuche, das Tier mit Lärm und Gummigeschossen zu vertreiben und ihm damit Scheu vor dem Menschen einzuflößen, blieben bisher ergebnislos.

WWF
Je länger der Bär jedoch dieses Spiel treibt, desto gefährlicher wird es, warnen die Experten. JJ1 gewöhnt sich daran, sein Futter in Siedlungsnähe, etwa in Ställen, zu suchen. Eine Begegnung mit Menschen könnte dann zu einer gefährlichen Situation führen. Unter Stress kann das Tier durchaus aggressiv werden und möglicherweise einen Menschen, der ihm etwa den Weg aus dem Stall versperrt, angreifen. "Bären sind schöne, charismatische Tiere", meint WWF-Sprecherin Susanne Grof, "aber es ist und bleibt ein Wildtier, das zur Gefahr werden kann."

Bei ihrer Arbeit stoßen die Aktivisten auch an ihre körperlichen Grenzen. "Unsere Leute arbeiten im Schichtbetrieb und bekommen nur wenig Schlaf", sagt Sax von "Vier Pfoten". Sie seien beauftragt, jeder Spur nachzugehen, die bei den Behörden gemeldet wird. "Da fährt man schon mal 30 Kilometer quer durch das Gebirge, nur um das Fell einer toten Hauskatze zu finden."

aki/AP/ddp/dpa



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