Streit über Williamson Deutsche Bischöfe drohen Piusbruderschaft

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz fordert von der Piusbruderschaft klare Worte zum Fall Williamson. Dass dieser seine Holocaust-Leugnung nicht deutlich revidiert habe, sei inakzeptabel. Auch Bischof Mixa wurde bei dem Treffen in Hamburg scharf kritisiert.


Hamburg - Die Erwartungen an das Treffen der 67 deutschen Bischöfe in Hamburg sind groß: Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat von der Piusbruderschaft ein klares Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil und zur Autorität des Papstes gefordert. Andernfalls müsse die kürzlich von Papst Benedikt XVI. aufgehobene Exkommunikation von vier Bischöfen der Bruderschaft wieder in Kraft treten, sagte der Freiburger Erzbischof am Montag in Hamburg.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch: Kritik am Augsburger Bischof Mixa
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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch: Kritik am Augsburger Bischof Mixa

Dass Benedikt XVI. den Piusbrüdern habe die Hand reichen wollen, bedeute nicht, "dass diese Bischöfe rehabilitiert sind", betonte Zollitsch vor Beginn der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe in der Hansestadt. Sie hätten "nach wie vor kein Amt, keine Funktion in der katholischen Kirche". Der Papst wolle aber verhindern, dass es in seiner Amtszeit "zu einem endgültigen Bruch mit einer Gruppe kommt, die katholisch sein möchte". Die Kirche sei "immer traurig, wenn Menschen uns verlassen".

Allerdings sei inakzeptabel, dass der Piusbruder Richard Williamson den Holocaust leugne. Diese Position - die Williamson bislang nicht zurückgenommen habe - habe "keinen Platz in der katholischen Kirche". Wenn nun nicht noch ein "kleines Wunder" geschehe und sich die Piusbruderschaft ganz klar bekenne, werde die Angelegenheit wohl kein positives Ende nehmen.

Die deutschen Bischöfe wollten während ihrer bis Donnerstag dauernden Tagung über das Thema beraten und möglicherweise mit einer Verlautbarung öffentlich Stellung beziehen, sagte Zollitsch. In jedem Fall aber werde er bei einem Vatikan-Besuch in der kommenden Woche den Papst über den Inhalt der Beratungen informieren.

Bei einem Treffen am Montag in Hamburg hielten christliche und jüdische Repräsentanten gemeinsam fest, "dass die Ereignisse und Irritationen das gewachsene Vertrauensverhältnis der Christen und Juden in Deutschland zwar belasten, aber nicht nachhaltig stören konnten".

In einem offenen Gespräch mit Vertretern der evangelischen Kirche und der Rabbinerkonferenz sei "neues Zutrauen zueinander für den gemeinsam zu gestaltenden Weg in die Zukunft gewonnen" worden, erklärte die katholische Bischofskonferenz. Dies sei nicht zuletzt daran abzulesen, dass der vor einigen Jahren begonnene theologische Austausch intensiv fortgeführt werde.

Mit Blick auf die erzkonservative Piusbruderschaft forderte die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" die Bischofskonferenz zu einem klaren Kurs auf. Er erwarte, dass die Bischöfe Klartext redeten, sagte der Sprecher der Bewegung, Christian Weisner, im Deutschlandradio Kultur. Es sei für die Menschen in der Kirche und für andere nicht verständlich, wie eine so kleine Splittergruppe die große katholische Kirche unter Druck setze. Die Bewegung will am Dienstag eine Petition "für die volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils" an die Bischofskonferenz überreichen.

Zollitsch hatte zudem den Augsburger Bischof Walter Mixa wegen dessen Äußerungen zu Abtreibungen und Holocaust kritisiert. Es gebe keine Möglichkeit, "den Holocaust einfach mit anderen Elementen zu vergleichen", sagte Zollitsch am Montag im ARD-"Morgenmagazin".

Natürlich seien die Bischöfe besorgt wegen der hohen Zahl der Abtreibungen. "Aber es wird immer wieder darauf ankommen, dass wir, wenn wir Vergleiche anstellen, die richtigen Proportionen treffen", betonte Zollitsch. Mixa werde Gelegenheit zur Klarstellung erhalten.

Der Augsburger Bischof hatte auf einer CSU-Veranstaltung die Zahl der Holocaust-Opfer mit den in den vergangenen Jahren in Deutschland durchgeführten Abtreibungen in Verbindung gebracht und damit Empörung ausgelöst.

Sein Sprecher stellte klar, dass "von einer Relativierung des grauenvollen Unrechts gegen das jüdische Volk" überhaupt keine Rede sein könne. Mixa habe sich im Gegenteil in scharfer Form von der Leugnung des Holocausts durch den "Separatisten-Bischof" Richard Williamson distanziert und den Mord an über sechs Millionen Juden als entsetzliches und absolut singuläres Verbrechen bezeichnet.

jjc/AFP/dpa

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