Streit um Holocaust-Leugner Israel droht Vatikan mit Abbruch der Beziehungen
Hamburg - Die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. hat Folgen: Der israelische Minister für Religionsangelegenheiten, Jizchak Cohen, droht mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan. Gegenüber dem SPIEGEL erklärte Cohen, er empfehle, "die Verbindungen mit einer Körperschaft, in der Holocaust-Leugner und Antisemiten Mitglied sind, vollständig abzubrechen".
Williamson hatte sich am Freitag über einen im Internet veröffentlichten Brief beim Papst entschuldigt - allerdings nur für die "Unannehmlichkeiten und Probleme", die seine Äußerungen verursacht hätten. In der Sache nahm der Brite nichts zurück. Williamson hatte in einem Fernsehinterview den Holocaust geleugnet und behauptet, es habe in den NS-Vernichtungslagern keine Gaskammern gegeben.
Als einen "Rückfall in frühere Jahrhunderte" wertet Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einem SPIEGEL-Interview die Entscheidung des Papstes. Benedikt XVI. habe mit der Rehabilitierung von Bischof Williamson "einen Holocaust-Leugner gesellschaftsfähig gemacht". Das sei "unverzeihlich" und habe gezeigt, "dass er die Versöhnung mit den Juden, die seine Vorgänger vorangebracht haben, in Frage stellt".
Israel Meir Lau, ehemaliger Oberrabbiner Israels und Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, fragt: "Wie kann ein solcher Lügner den Schutz und die Rehabilitierung des Führers der katholischen Kirche bekommen?"
Mit deutlicher Kritik reagieren auch deutsche Politiker und Repräsentanten der katholischen wie evangelischen Kirche auf die Rehabilitierung Richard Williamsons. "Solche Äußerungen und Vorkommnisse gefährden den vom heutigen Papst und seinem Vorgänger ausdrücklich für unverzichtbar erklärten Dialog mit den jüdischen Organisationen", sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gegenüber dem SPIEGEL. Er könne die "Irritationen und Betroffenheit" der jüdischen Gemeinde gut verstehen.
Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler kritisiert die konservative Weltsicht von Benedikt. Der Papst schotte sich "gegenüber Frauen, Andersgläubigen, Geschiedenen, Homosexuellen" theologisch ab. Sein Vorgänger habe "die Gemeinsamkeiten mit andersgläubigen Menschen gesucht, er nicht", sagte der Christdemokrat.
"Man kann fast den Eindruck bekommen, ihm sei ein rechtsradikaler, antisemitischer katholischer Bischof lieber als eine evangelische Bischöfin." Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, kritisierte den Papst indirekt: "Weder für Antisemitismus noch für die Leugnung des Holocaust gibt es Platz in der katholischen Kirche."