Studie zur Integration Flüchtlinge wünschen sich Arbeit und deutsche Freunde

Wie kann Integration gelingen? Dutzende Flüchtlinge wurden dazu für eine Studie befragt - und haben klare Wünsche geäußert.
Foto: imago/ Schöning

Viele der 2015 zugewanderten Flüchtlinge in Deutschland wollen vor allem eins: finanziell unabhängig werden und schnell neue Freunde finden. Das hat eine Studie ergeben, für die 62 Menschen unterschiedlicher Herkunft in Interviews ausführlich befragt wurden. Viele von ihnen nehmen die deutsche Gesellschaft demnach als ein gut organisiertes, aber auch verschlossenes Gemeinwesen wahr.

Die Studie mit dem Titel "Wie gelingt Integration? Asylsuchende über ihre Lebenslagen und Teilhabeperspektiven in Deutschland" , hat der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) gemeinsam mit der Robert-Bosch-Stiftung erstellt. Darin kommen Betroffene umfangreich zu Wort. Neben vielen individuellen Erfahrungen stellten die Forscher jedoch auch fest, dass sich beim Thema Integration die Wünsche der Flüchtlinge oft ähneln.

Die Ergebnisse im Überblick:

Wunsch nach Arbeit: Kaum ein Aspekt trat in den Interviews mit den Flüchtlingen so deutlich hervor wie das Bestreben, beruflich Anschluss zu finden, um finanziell unabhängig zu werden. Viele Befragte empfinden es als unangenehm, teilweise als beschämend, von Sozialleistungen abhängig zu sein. Viele sagen, sie wollten ihre Zeit und Energie lieber in Arbeit stecken, als tatenlos "herumzusitzen".

Neben finanzieller Selbstständigkeit sehen sie Arbeit auch als Möglichkeit, soziale Kontakte aufzubauen, die deutsche Sprache zu lernen und der Gesellschaft etwas "zurückzugeben".

Einige erhoffen sich nach Angaben der Forscher auch bessere Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen, wenn sie eine Ausbildung anfangen. Obgleich der Wunsch nach Arbeit ausgeprägt ist, konnten einige der 62 Befragten aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Somalia, Albanien, dem Kosovo und Mazedonien noch nicht genau sagen, wo es beruflich hingehen sollte.

Wunsch nach sozialen Kontakten: Viele Flüchtlinge klagten in den Interviews über soziale Isolation. Sie kennen demnach meist nur Behördenvertreter und ehrenamtliche Helfer, haben aber keine privaten Beziehungen zu Deutschen.

Einige Asylbewerber seien zwar froh, wenn sie in Deutschland auch Kontakt zu Menschen aus ihrem Herkunftsland fänden. Doch das treffe nicht auf alle zu. Vor allem Flüchtlinge aus Konfliktgebieten hielten manchmal lieber Abstand zu ihren Landsleuten - vor allem Angehörige religiöser Minderheiten und Homosexuelle.

Sorge um die Familie: Flüchtlinge aus Syrien und anderen Konfliktgebieten, die auf einen Familiennachzug warten, machen sich der Studie zufolge oft so große Sorgen um enge Angehörige, die in der Heimat oder in Transitländern leben, dass sie sich kaum auf Spracherwerb und Jobsuche konzentrieren können. "Besonders die Aussagen syrischer Befragter zeigten, wie sehr die fluchtbedingte Trennung von Familienangehörigen emotional belasten kann", stellt die Studie fest.

Schutzsuchende mit schlechter oder mittlerer Bleibeperspektive treiben andere Probleme um. Sie fühlen sich als Asylbewerber zweiter Klasse, wenn es um Gesundheitsversorgung, Sprachkurse oder Jobvermittlung geht. Die Autoren der Studie halten fest, dass es für gelingende Integration wichtig sei, dass "die Asylverfahren deutlich beschleunigt werden".

bbr/dpa
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