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01. Februar 2008, 10:51 Uhr

Sturm in Nordeuropa

Riesenwelle bringt Fähre in Seenot

Bis zu sieben Meter hohe Wellen und ein tosender Sturm haben in der irischen See ein Frachtschiff mit 23 Menschen an Bord auf die Seite geworfen. Die Besatzung konnte mit Hubschraubern gerettet werden. Auch in Norddeutschland tobte Orkantief "Resi" und verursachte schwere Unfälle.

London - Sie hatten noch versucht, die Fähre wieder flott zu machen. Dann musste die Besatzung des Schiffs "Riverdance" aus peitschender See mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden, teilten die Rettungskräfte und der Schiffsbetreiber Seatruck Ferries Limited mit. Der heftige Orkan behinderte die Rettungsaktion erheblich. Verletzt wurde den Berichten zufolge niemand.

Dramatische Bilder aus der irischen See: Die Fähre "Riverdance" in Seenot
Getty Images

Dramatische Bilder aus der irischen See: Die Fähre "Riverdance" in Seenot

Die Fähre war kurz vor der Küstenstadt Fleetwood in der westenglischen Grafschaft Lancashire in Seenot geraten, sagte ein Sprecher von Seatruck Ferries. Ersten Angaben zufolge wurde niemand verletzt. Das Schiff lief in der Nacht in dem seichten Wasser auf Grund.

Die "Riverdance" hatte den Angaben zufolge Lastwagen und Auflieger geladen. Ob das Schiff beschädigt wurde, war unklar. Die Retter befürchteten aber Umweltverschmutzung. Auch im Westen Schottlands kam es zu einem schweren Unglück: Dort lief ein Fischdampfer auf einen Felsen auf. Die 14 spanischen Besatzungsmitglieder konnten von Bord geholt werden, während das Schiff voll Wasser lief. Für Schottland und den Norden Englands sind weiter Schneestürme vorhergesagt. Ein Lastwagenfahrer kam bereits gestern ums Leben, als der Wind sein Fahrzeug umwarf.

Auf einer Autobahn nahe der belgischen Stadt Antwerpen wehte eine Böe einen Motorradfahrer von seiner Maschine. Der Mann versuchte noch, sich nach dem Sturz auf die Standspur zu flüchten - vergebens. Er wurde dem flämischen Rundfunk VRT zufolge von einem nachfolgenden Lastwagen überrollt und getötet.

Auch Skandinavien blieb nicht von den stürmischen Winden verschont: Im südlichen Schweden blieben 12.000 Haushalte ohne Elektrizität. Wie der dänische Rundfunk berichtete, brach die Stromversorgung auf der Ferieninsel Læsø im Kattegat wegen umgestürzter Leitungsmasten fast völlig zusammen. In Südschweden führte der Sturm durch liegen gebliebene Lastwagen zu Verkehrsstörungen. Jetzt befürchten Wetterexperten schwere Überschwemmungen.

Orkantief "Resi" wütet über Norddeutschland

In Norden der Bundesrepublik raste Orkantief "Resi" in der Nacht mit Böen der Stärke 11 über die schleswig-holsteinische Nordseeküste hinweg. Die Sturmflut brachte Pegelstände weit über Normal - an der Eidermündung erreichten sie 1,80 Meter, in Husum 1,74 Meter über dem mittleren Hochwasser.

Der Fährverkehr zu den Inseln und Halligen vor Schleswig-Holstein wurde eingestellt. Bis zum frühen Morgen standen die Anleger noch unter Wasser, so dass weder Autos noch Fußgänger an Bord der Schiffe kommen konnten, sagte ein Sprecher der Wyker Dampfschiffsreederei. Allerdings seien die Autozüge nach Sylt schon in der Nacht wieder fahrplanmäßig gefahren, sagte ein Bahn-Sprecher.

Im Norden Niedersachsens wurden durch Sturm und Regen in der Nacht mehrere Menschen verletzt. Im Kreis Gifhorn fuhr eine Frau mit ihrem Auto gegen einen umgestürzten Baum und verletzte sich schwer. Ein Ast des Baumes bohrte sich in ihren Oberkörper.

Auch in Wilhelmshaven kam es wegen der stürmischen Witterung zu mehreren teils schweren Unfällen. Dabei wurde ein Verkehrsteilnehmer lebensgefährlich verletzt. In Büsum fiel wegen des Sturmes kurzzeitig der Strom aus. Nahe Bremerhaven wurde bei Sturmböen der Stärke 11 ein vor Anker liegender 80 Meter langer Massengutfrachter auf der Weser ins Fahrwasser getrieben. Das schnelle Eingreifen eines Lotsen und der Wasserschutzpolizei konnte jedoch Schaden abwenden.

Für die nordfriesische Küste besteht weiter eine Sturmflutwarnung. Bis zum Mittag bestehe die Gefahr orkanartiger Böen aus Südwest mit Geschwindigkeiten zwischen 105 und 115 Kilometern in der Stunde, warnte der Deutsche Wetterdienst. Der Pegelstand werde am Morgen bis zu zwei Meter über dem mittleren Hochwasser liegen, erklärte eine Sprecherin des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg.

ala/dpa/DDP

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