Stuttgarter Krawallnacht Ermittler haben 98 Tatverdächtige identifiziert

Fenster wurden eingeschlagen, Geschäfte geplündert: Die Polizei hat drei Monate nach Ausschreitungen in Stuttgart Dutzende Tatverdächtige ermittelt. Die Behörden gehen nicht von organisierten, geplanten Straftaten aus.
Menschen stehen im Juni vor einem geplünderten Geschäft in der Marienstraße

Menschen stehen im Juni vor einem geplünderten Geschäft in der Marienstraße

Foto: Julian Rettig / dpa

Drei Monate nach den nächtlichen Krawallen in der Stuttgarter Innenstadt haben Ermittler 98 Tatverdächtige ausgemacht. Bei fünf Tatverdächtigen konnte ein Zusammenhang mit den Taten in Stuttgart ausgeschlossen werden, bei fünf weiteren wird wegen Folgetaten ermittelt, bestätigte eine Sprecherin aus dem Staatsministerium dem SPIEGEL.

Die verübten Straftaten in der Tatnacht reichen von Beleidigung über Körperverletzung, besonders schweren Fall des Landfriedensbruchs bis hin zum versuchten Totschlag.

"Wir kriegen euch! Niemand, der an diesen Krawallen und Plünderungen beteiligt war, kann sich in Sicherheit wiegen", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), wie aus einer Pressemitteilung des Landes hervorgeht.  "Das ist die richtige Antwort auf beschädigte und geplünderte Fahrzeuge und Geschäfte, auf 32 verletzte Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte und darauf, dass ein Rettungswagen, in dem drei Sanitäter saßen, beworfen wurde."

Laut Strobl sind die Tatverdächtigen jung, meist männlich und kämen aus Stuttgart oder dem näheren Umland. Etwa zwei Drittel von ihnen haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Fast drei Viertel (72 Prozent) der ermittelten Tatverdächtigen sind der Polizei bekannt. 40 Verdächtige sind laut dem Innenminister bereits in Haft.

Das Spektrum der Tatverdächtigen reicht vom dreizehnjährigen syrischen Flüchtling bis hin zum 29-jährigen Deutschen mit Ausbildung. "Die Ermittler gehen gegenwärtig nicht von geplanten, organisiert ausgeübten Tathandlungen aus. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Straftaten spontan, unter dem Eindruck der Geschehnisse erfolgten und durch gruppendynamische Effekte verstärkt wurden", sagte der Innenminister.

Mitte Juli war es auch in Frankfurt zu Ausschreitungen gekommen. Dabei waren fünf Polizisten verletzt und 39 mutmaßliche Krawallmacher vorübergehend festgenommen worden. Polizisten waren aus der Menge der Feiernden heraus angegriffen worden, Polizeipräsident Gerhard Bereswill sprach von einem "Hagel von Flaschenwürfen", der auf die Beamten niedergegangen sei.

kha/AFP
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