Grüne lösten Debatte in Stuttgart aus Sexismuskritik gegen Frühlingsfest – Schausteller lassen Bilder ändern

Die Grünen verurteilten Darstellungen von halb nackten Frauen auf dem Stuttgarter Frühlingsfest als diskriminierend. Infolge eines Treffens mit den Schaustellern gibt es nun einen ersten Kompromiss.
    • E-Mail
    • Messenger
    • WhatsApp

»Märchen aus 1001 Nacht«: Schaustellerin Sabine Ernst will die Abbildung der Frau ändern lassen

Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Als sexistisch und diskriminierend bezeichneten die Grünen im Gemeinderat Abbildungen von leicht bekleideten Frauen, die auf dem Stuttgarter Frühlingsfest zu sehen sind. Infolge eines Gesprächs mit der Partei wollen Schausteller mehrere Bilder nun umgestalten.

Dabei gehe es um Darstellungen dreier halb nackter Frauen, deren Blusen oder Büstenhalter offen seien, sagte Mark Roschmann vom Schaustellerverband Südwest Stuttgart nach dem Treffen. Eine der Damen bekomme jetzt eine geschlossene Bluse, bei einer anderen werde der BH geschlossen.

Es sei aber aus finanziellen Gründen nicht möglich, komplette Fassaden von heute auf morgen umzugestalten, so Roschmann: »Das fängt im mittleren fünfstelligen Bereich an.« Er sei zufrieden mit der Einigung.

Abbildung einer halb nackten Frau auf dem Stuttgarter Frühlingsfest: Komplette Fassaden nicht so schnell zu ändern

Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Die Sexismusdebatte hatte in den vergangenen Tagen Aufsehen erregt. Die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat hatten gefordert, die aus ihrer Sicht diskriminierenden Abbildungen sofort zu entfernen. Roschmann hatte daraufhin ein Treffen auf dem Fest vorgeschlagen.

»Das Gespräch war sehr gut«, sagte die Stuttgarter Grünen-Stadträtin Jitka Sklenárová. Ziel sei ein »diskriminierungsfreier Raum« auf dem Wasen. Wie dieser konkret aussehe, müsse aber noch abschließend geklärt werden.

Oberbürgermeister unterstützt Schausteller

Schaustellerin Sabine Ernst hatte laut SWR  bereits vor dem Treffen entschieden, die Statue einer leicht bekleideten Frau an ihrem Stand »Märchen aus 1001 Nacht« ändern zu lassen. Sie empfinde die Bemalung weder als diskriminierend noch als sexistisch. Trotzdem lasse sie die Statue ändern, um zu verhindern, dass Volksfeste wegen solcher Abbildungen in einen schlechten Ruf gerieten und als nicht mehr familienfreundlich gälten.

ANZEIGE

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper von der CDU hatte in der Debatte die Schausteller verteidigt . Der Gemeinderat solle »keine Zensurbehörde« werden, so Nopper: »Im Übrigen stehen die Schaustellerinnen und Schausteller nach zwei Jahren der Pandemie in einem wirtschaftlichen Überlebenskampf und müssen ihre Kräfte auf existenzielle Themen konzentrieren.«

ptz/dpa