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17. Juni 2014, 19:32 Uhr

Verurteilte Christin im Sudan

Wärter nehmen Todeskandidatin die Ketten ab

Sogar bei der Geburt ihres Kindes soll sie angebunden gewesen sein - nun haben ihre Wärter einer zum Tode verurteilten Christin im Sudan die Ketten abgenommen. Ein Arzt habe dazu geraten, heißt es.

Khartum - Der Fall von Mariam Jahia Ibrahim Ishak sorgt seit Wochen international für Entsetzen. Ein Gericht in der sudanesischen Hauptstadt Khartum hatte sie zum Tod durch Erhängen verurteilt, weil sie vom islamischen Glauben abgefallen sei. Im Gefängnis brachte sie wenig später ein Kind zur Welt, bei der Geburt soll sie angebunden gewesen sein. Nun haben ihr die Gefängniswärter zumindest die Ketten abgenommen, berichtet der Anwalt der jungen Frau der Nachrichtenagentur AFP. Demnach habe ein Arzt dazu geraten.

Ishak war von ihrer Mutter christlich-orthodox erzogen worden, nachdem ihr muslimischer Vater die Familie verlassen hatte. Sie wurde wegen Ehebruchs angeklagt, weil sie 2011 einen aus dem Südsudan stammenden christlichen US-Bürger geheiratet hatte. In der sudanesischen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts, darf eine Muslimin keinen Christen heiraten - andernfalls wird die Ehe als Ehebruch gewertet. Ischak wurde deshalb auch zu hundert Peitschenhieben verurteilt.

EU-Kommission, Europarat und Europaparlament sowie die Repräsentanten der wichtigsten religiösen Gemeinschaften in Europa hatten den Sudan in der vergangenen Woche aufgefordert, das "unmenschliche Urteil" gegen die junge Frau aufzuheben. Die 27-Jährige hat inzwischen Berufung gegen den Schuldspruch eingelegt. Ein Komitee aus drei Richtern soll den Fall überprüfen.

Zahlreiche Unterstützerseiten im Internet fordern die Freilassung der Inhaftierten. Amnesty International hat sich eingeschaltet, Human Rights Watch bezeichnete den Fall als Beispiel "drakonischer Intoleranz". Mehr als 967.000-mal wurde im Netz eine Petition für Ishak unterzeichnet.

vks/AFP

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