Keine weiteren Baugenehmigungen Seoul will nach Überschwemmungen berüchtigte Kellerwohnungen verbieten

Die Banjiha genannten Untergeschosswohnungen wurden durch den Film »Parasite« bekannt. Bei Überschwemmungen in Seoul starben dort nun mehrere Menschen. Die Tragödie könnte das Ende der Behausungen bedeuten.
Menschen tragen verschlammte Möbel aus einer Kellerwohnung in Seouls Stadtteil Gwanak

Menschen tragen verschlammte Möbel aus einer Kellerwohnung in Seouls Stadtteil Gwanak

Foto:

ANTHONY WALLACE / AFP

Fünf bis sieben Stufen führen üblicherweise hinab in eine Banjiha. Seit Regisseur Bong Joon-ho die Kellerwohnungen in dem oscarprämierten Film »Parasite« porträtierte, sind sie zum Symbol geworden für die soziale Ungleichheit in Seoul.

In der südkoreanischen Hauptstadt, die in den vergangenen Jahrzehnten auf eine Metropolregion von rund 25 Millionen Menschen angewachsen ist, sind die Ärmeren in die unsichtbaren Ecken der Stadt verdrängt worden.

Die Banjiha sind jedoch nicht nur ein Zeichen sozialer Ungleichheit, sondern auch eine reelle Gefahr für ihre Bewohner. Bei Überschwemmungen infolge der schwersten Regenfälle seit 80 Jahren kamen Anfang der Woche in Seoul mehrere Menschen ums Leben. Im Stadtteil Gwanak wurden zwei Frauen und ein Teenager in ihren überfluteten Kellerwohnungen vom Wasser eingeschlossen. Rettungskräfte waren machtlos.

Die Banjiha bedrohten die Schwachen in jeder Hinsicht, sagte Seouls Bürgermeister Oh Se-hoon der Nachrichtenagentur Yonhap . Laut Yonhap lagen im Jahr 2020 fünf Prozent, 200.000 der Wohnungen in Seoul, im Keller oder im Souterrain.

Dreharbeiten für den Film »Parasite« in Südkorea

Dreharbeiten für den Film »Parasite« in Südkorea

Foto: LMKMEDIA / ddp

Wer dort wohnt, lebt im Zwielicht. Kaum Sonnenstrahlen dringen in die engen und oft schimmeligen Wohnungen – der Unrat der Stadt aber schon: Wenn die Vertreter der Stadtreinigung Insektenvernichtungsmittel sprühen, wabert giftiger Nebel in die Räume. Wenn Jugendliche auf den Boden der Straße spucken, dann oft vor das eigene Wohnzimmerfenster.

Ganz unten ist dort, wo bei Regen das Wasser hineinläuft und den Dreck der anderen hineinschwemmt. Für viele Beobachter kommt die Tragödie deswegen nicht überraschend. Denn schwere Regenfälle sind im Sommer üblich in Seoul. Und in den vergangenen zwei Jahren kürzte die Stadt das Budget für das Wassermanagement.

Stadt will Banjiha verbieten

Die Behörden wollen auf die Tragödie mit einem Verbot der Banjiha reagieren. Bis das Baugesetz überarbeitet worden ist, sollen die 25 Bezirksämter in Seoul keine Baugenehmigungen mehr für unterirdische Wohnungen erteilen.

Langfristig sollen die Banjiha für Nichtwohnzwecke umgenutzt werden, etwa als Lagerhäuser oder kommunale Einrichtungen. Eigentümerinnen und Eigentümern sollen dafür bis zu 20 Jahre eingeräumt werden. Die Stadt plant Anreize wie Zuschüsse für die Umbauten oder will die Grundstücke aufkaufen. Mieterinnen und Mieter aus den Kellerwohnungen sollen unterstützt werden, in öffentliche Mietwohnungen umzuziehen.

Zwei Frauen gehen an den Fenstern sogenannter Banjiha entlang

Zwei Frauen gehen an den Fenstern sogenannter Banjiha entlang

Foto: ANTHONY WALLACE / AFP

Dass Menschen in den Banjiha leben, war ursprünglich nicht geplant. Die Räume waren bei einem möglichen Krieg gegen Nordkorea als Luftschutzbunker gedacht. Oft wurden sie zunächst als Lager benutzt. Mit dem Zuzug in den Achtzigerjahren brauchte man in Seoul mehr Unterkünfte. Wohntürme fressen sich seither in die Landschaft, und immer mehr Menschen wichen in die Souterrain-Unterkünfte aus. Auch viele Studierende, die sich das Leben im teuren Seoul kaum leisten können, nutzen die Banjiha.

Der Film »Parasite« schaffte international Aufmerksamkeit für die Lebensbedingungen in den Kellerwohnungen. Er zeigt eine Familie, die in einer der Kellerwohnungen lebt und auch mit durch Regen ausgelösten Überschwemmungen kämpft.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war die Rede von 200.000 Wohnungen in Seoul, tatsächlich handelt es sich um 200.000 Wohnungen in Seoul, die sich im Souterrain befinden.

hba/kgp
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