Sexismus-Eklat in Südkorea Schwangere sollen bloß nicht zunehmen – und für den Mann vorkochen

»Bereiten Sie saubere Unterwäsche für Ihren Mann vor«: Die Stadtregierung von Seoul gibt Schwangeren altbackene Tipps – und feuert damit einen Konflikt an, der in Südkorea seit Jahren schwelt.
Schwangere bei der Hausarbeit: Empörung über Empfehlungen in Südkorea

Schwangere bei der Hausarbeit: Empörung über Empfehlungen in Südkorea

Foto: monzenmachi / Getty Images

Während einer Schwangerschaft kann es viele Dinge geben, mit denen sich eine Frau beschäftigen muss: Ernährungsregeln, bleierne Müdigkeit, Sorgen über die Geburt, Schmerzen, Bewegungsunfähigkeit und die ständige Verantwortung für dieses kleine Leben im eigenen Körper. Was bei all dem helfen kann, ist Unterstützung. Was gar nicht hilft: noch mehr Druck. Die Stadtregierung von Seoul sah das offenbar anders.

Die Gesundheitsbehörde der südkoreanischen Hauptstadt hat für einen Sexismus-Eklat gesorgt, als sie auf ihrer Website vorgestrige Tipps für Schwangere zur Verfügung stellte. Wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet , wurden die Frauen dort unter anderem dazu aufgefordert, kurz vor dem Entbindungstermin dafür zu sorgen, dass ihre Familie saubere Kleidung hat: »Für die drei oder sieben Tage, die Sie im Krankenhaus verbringen werden, bereiten Sie saubere Unterwäsche, Socken, Hemden, Taschentücher und Oberbekleidung für Ihren Mann und Ihre Kinder vor und hinterlassen diese ordentlich in einer Schublade.«

Außerdem solle eine Schwangere darauf achten, nicht zu stark zuzunehmen. Als Motivation solle sie sich einige Kleidungsstücke aus der Zeit vor der Schwangerschaft sichtbar im Raum aufhängen, um nicht zu viel zu essen und nach der Entbindung schnell wieder abzunehmen. Hausarbeit solle sie nicht aufschieben, sondern als Sportprogramm nutzen – und bevor es ins Krankenhaus geht, solle die Frau daran denken, noch mindestens drei oder vier Gerichte vorzubereiten, die ihr Mann, »der ein schlechter Koch ist, einfach zubereiten kann«.

Seit Jahren schwelender Genderkampf

Obwohl diese Empfehlungen bereits seit dem Start der Website vor anderthalb Jahren dort zu finden waren, erreichten sie erst in den vergangenen Tagen eine breitere Aufmerksamkeit in sozialen Medien und lösten große Empörung aus. So warf jemand die Frage auf, ob die Regierung Frauen nur für die Haushälterinnen ihrer Männer halte. An anderer Stelle heißt es: »Gegen Ende einer Schwangerschaft ist es sogar anstrengend zu atmen, und die erwarten von uns, Unterwäsche und Essen für unsere Männer vorzubereiten?«

Inzwischen hat die Behörde die Inhalte gelöscht – verwies allerdings noch darauf, dass sie diese nur vom Gesundheitsministerium übernommen habe. Auf dessen Website sind sie mittlerweile ebenfalls nicht mehr zu finden.

Ein solcher Sexismus-Eklat ist in Südkorea kein Einzelfall: Das Land schneidet international immer wieder schlecht ab, wenn es um die Gleichbehandlung der Geschlechter geht. So landete es im »Gender Gap Report 2020« des World Economic Forum auf Platz 108 von 153. Zudem gehört Südkorea zu den wenigen Ländern der Welt, in denen jedes Jahr mehr Frauen als Männer umgebracht werden – Symptom einer tief verwurzelten Frauenverachtung.

Viele Südkoreanerinnen wollen all dies nicht mehr hinnehmen, lehnen sich gegen misogyne Strukturen und konservative Rollenbilder auf – oder steigen aus ihnen aus. So hat Südkorea seit vergangenem Jahr die niedrigste Geburtenrate der Welt, was viele der betroffenen Frauen damit begründen, nicht in die Rolle der Hausfrau gedrängt werden zu wollen.

zob
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