Sydney Papst entschuldigt sich für sexuelle Übergriffe Geistlicher

Benedikt XVI. wich überraschend von seinem Redemanuskript ab: In Sydney hat der Papst sich erstmals für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche entschuldigt. Er bedaure die Leiden der Opfer, die Täter müssten vor Gericht gebracht werden.


Sydney - Auf dem Weltjugendtag in Australien erklärte Benedikt am Samstag, er bedaure "die Leiden, die die Opfer durchgestanden haben, zutiefst". Die Opfer sollten "Mitgefühl und Fürsorge" erhalten, die Täter müssten vor Gericht gebracht und verurteilt werden. Auch bei seiner USA-Reise im April hatte der Papst bereits seine "Scham" über die Missbrauchsfälle in der dortigen Kirche ausgedrückt, sich aber nicht öffentlich entschuldigt.

Benedikt XVI. am Samstagmorgen in der Kathedrale Sankt Maria in Sydney: In Australien sind bereits über hundert Priester wegen sexueller Übergriffe rechtskräftig verurteilt worden
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Benedikt XVI. am Samstagmorgen in der Kathedrale Sankt Maria in Sydney: In Australien sind bereits über hundert Priester wegen sexueller Übergriffe rechtskräftig verurteilt worden

"Hier möchte ich innehalten, um die Scham zu bekennen, die wir alle wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch einige Geistliche und Glaubensbrüder in diesem Land fühlen", sagte das Oberhaupt der Katholiken im Dom St. Mary in Sydney. "In der Tat bedaure ich den Schmerz und die Leiden, die die Opfer durchgestanden haben, zutiefst, und ich versichere ihnen, dass ich als ihr Seelsorger ihre Leiden teile." Dieser Satz hatte in dem an die Medien verteilten ursprünglichen Redemanuskript des Papstes nicht gestanden, sondern war von ihm nachträglich hinzugefügt worden.

"Diese Missetaten, die einen so großen Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine unmissverständliche Verurteilung", sagte Benedikt XVI. weiter. Die Missbrauchsfälle hätten auch dem Ansehen der Kirche geschadet. Alle sollten nun mit den Bischöfen zusammenarbeiten, um "dieses Übel" zu bekämpfen. Die Opfer sollten eine Entschädigung und von den Geistlichen Hilfe bei der Verarbeitung des Missbrauchs erhalten, forderte der Papst. Die Geistlichen erinnerte er an ihr Keuschheitsgelübde.

Allein Australien über hundert Priester verurteilt

Während seines US-Besuchs im April hatte der Papst sich beschämt über die dortigen Fälle von Missbrauch durch katholische Geistliche geäußert. Er verurteilte den Umgang der US-Bischöfe mit den Skandalen und traf sich in Washington mit Opfern der Misshandlungen. Eine öffentliche Entschuldigung formulierte das Kirchenoberhaupt jedoch nicht.

Beim diesjährigen Weltjugendtag hatte der Papst den Umweltschutz in den Mittelpunkt gestellt. Doch die Missbrauchsfälle in Australien überschatteten das Großereignis mit rund 200.000 Teilnehmern. Nach Angaben der Opferschutzorganisation Broken Rites wurden in Australien bislang 107 Priester und andere Geistliche wegen sexueller Übergriffe verurteilt. Weitere Prozesse laufen noch. Broken Rites geht aber davon aus, dass die Justiz über weitere Fälle, von denen kirchliche Würdenträger Kenntnis haben, noch nicht informiert wurde.

Auch dem Erzbischof von Sydney, Kardinal George Pell, wurde von mehreren Missbrauchsopfern vorgeworfen, er habe die Fälle vertuschen wollen. Zwei Tage vor Ankunft des Papstes in Australien ordnete er schließlich die Einsetzung einer Kommission ein, die die Vorwürfe gegen ihn unabhängig prüfen solle. Mögliche Äußerungen des Papstes zu dem Thema beurteilte Pell vorab als "willkommenen Beitrag".

Der Weltjugendtag endet am Sonntag. Benedikt XVI. hält eine Abschlussmesse, zu der 500.000 Gläubige erwartet werden. Der 81-jährige Papst ist das Oberhaupt von weltweit 1,1 Milliarden Katholiken.

hil/AFP



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