Bahnstrecke nach Sylt Neuer Vorstoß zur Umbenennung des Hindenburgdamms

Der Hindenburgdamm ist die wichtigste Lebensader der Sylterinnen und Sylter. Erneut wird nun über die Bezeichnung einer der berühmtesten Bahnstrecken Deutschlands gestritten.
Zug auf dem Hindenburgdamm: Lässt sich der Name aus dem Volksmund tilgen?

Zug auf dem Hindenburgdamm: Lässt sich der Name aus dem Volksmund tilgen?

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Carsten Rehder / dpa

Gefühlt jeder in Deutschland hat den Namen für die Streckenkilometer 217 bis 226 durchs Wattenmeer nach Sylt bereits gehört: Hindenburgdamm. Dieser Name erzürnt jedoch regelmäßig die Gemüter, da er auf Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) Bezug nimmt.

Hindenburg hatte den Damm am 1. Juni 1927 eröffnet. Der Generalfeldmarschall gilt allerdings auch als Steigbügelhalter Hitlers, indem er ihn zum Reichskanzler machte und damit die Diktatur erst ermöglichte. Vielerorts wurden Straßen oder Plätze deshalb bereits umbenannt, so wurde in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt bereits vor Jahren das Hindenburgufer zur Kiellinie.

Nun gibt es auch für den Bahndamm nach Sylt wieder einen Anlauf, einen neuen Namen zu etablieren. Die Sache ist allerdings kompliziert: Es gibt kein offizielles Namensschild an der Strecke, das einfach ersetzt werden könnte – und eine offizielle Bezeichnung gibt es auch nicht.

Dass sich der Name Hindenburgdamm einbürgerte, rührt wahrscheinlich daher, dass der damalige und später als NS-Verkehrsminister auch an der Deportation von Juden beteiligte Reichsbahnchef Julius Dorpmüller zur Eröffnung Hindenburg huldigte und befand: Auf dessen Namen »wollen wir« den neuen Damm taufen – »er heiße Hindenburgdamm«.

Öffentliche Träger zu alternativem Namen verpflichten

Nach mehreren bislang wenig erfolgreichen Versuchen, für den Hindenburgdamm im allgemeinen Sprachgebrauch eine alternative Bezeichnung durchzusetzen, versuchen es die Grünen im Amt Südtondern erneut. Sie wollen mittelfristig eine Resolution in den Kreistag Nordfriesland einbringen. Im Amt Südtondern liegt die Stadt Niebüll, in der die Autozüge nach Sylt starten.

Spektakuläre Ausblicke übers Wattenmeer vom Autozug aus

Spektakuläre Ausblicke übers Wattenmeer vom Autozug aus

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Carsten Rehder / picture alliance / dpa

»Sinn dieser Resolution kann nur sein, dass vonseiten der öffentlichen Träger der Begriff ›Hindenburgdamm‹ nicht mehr benutzt wird in der Hoffnung, dass sich das auch auf den Volksmund übertragen wird«, sagte Stephan Wiese vom Ortsverband der Partei.

Die Deutsche Bahn indes führt das Bauwerk offiziell unter der schnöden Nummer 2010. »Die einzigen Eisenbahnbauwerke, die offiziell getauft werden, sind Tunnel«, sagte eine Sprecherin.

Auch wenn die Bahn die Verbindung in der Vergangenheit ebenfalls als Hindenburgdamm bezeichnet hat, soll dies nun eigentlich der Vergangenheit angehören. Sprich: Auf den Internetseiten und anderenorts sollte der Name Hindenburgdamm schon nicht mehr auftauchen. Auch der Chef der Sylt Marketing GmbH, Moritz Lust, sagte, »das ist ein sensibles Thema, mit dem wir uns befassen«.

Historische Aufnahme des Hindenburgdamms: Nabelschnur für Sylt

Historische Aufnahme des Hindenburgdamms: Nabelschnur für Sylt

Foto: dpa-Archiv/ picture alliance / dpa

Einen Vorschlag für einen neuen Namen gibt es auch schon. Der Lübecker Psychotherapeut Karl-Heinz Haase, der Mitglied der deutsch-israelischen Gesellschaft ist, brachte die Bezeichnung Syltdamm ins Spiel. »Jeder würde das verstehen.« Auch Landtagsabgeordnete von Grünen und SPD hatten sich in der Vergangenheit bereits für diesen Namen stark gemacht.

apr/dpa

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