»Kontrovers diskutiert« Schäuble bot Punks auf Sylt Jobvermittlung an

Mit dem 9-Euro-Ticket kamen diesen Sommer zahlreiche Punks nach Sylt und bevölkerten wochenlang Deutschlands Luxusinsel. CDU-Politiker Schäuble traf sich mit ihnen – und hatte dafür eine Bedingung.
Wolfgang Schäuble: »Ich mache keine Brüllszenen«

Wolfgang Schäuble: »Ich mache keine Brüllszenen«

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Monatelang belagerten Punks Deutschlands wohl bekannteste Insel, sie waren mit dem 9-Euro-Ticket angereist. Besonders ihr Protestcamp im Rathauspark von Westerland sorgte für hitzige Diskussionen, war jedoch nichts, was Wolfgang Schäuble fernhielt. Der CDU-Politiker, der regelmäßig auf Sylt urlaubt, traf sich mit ihnen – und machte ihnen sogar beruflich ein Angebot, wie er nun in einem Interview verriet.

»Ich habe ihnen gesagt, wenn sie Geldprobleme hätten, könnte ich ihnen vielleicht einen Aushilfsjob vermitteln«, sagte der ehemalige Bundesminister und Bundestagspräsident in einem Interview mit dem Berliner »Tagesspiegel « zu dem Treffen. Die Resonanz darauf sei allerdings »gering« gewesen.

Schäuble, der an diesem Sonntag seinen 80. Geburtstag feiert, erzählte, er habe während seines Urlaubs auf der Nordseeinsel eine E-Mail von einem Mann erhalten, der sich nach eigenen Angaben im Punker-Camp am Rathaus der Inselhauptstadt Westerland aufgehalten habe. »Sie wollten wissen, ob ich bereit sei, mit ihnen ein Gespräch zu führen.«

In der Mail habe eine Handynummer gestanden. Er habe den Mann dann angerufen, »damit hatte er nicht gerechnet«, sagte Schäuble. Als Voraussetzung für sein Treffen mit den Punkern nannte Schäuble laut seiner Schilderung: »Ich mache keine Brüllszenen.«

Punks deckten Tisch mit Kaffee, Milch, Wasser, Apfelsaft

Nachdem dies geklärt worden sei, sei er zu den Punkern gefahren. »Sie haben einen Tisch für mich hingestellt, mit Kaffee, Milch, Wasser, Apfelsaft. Wir haben dann eineinhalb Stunden kontrovers debattiert«, berichtete der Bundestagsabgeordnete.

Foto: Axel Heimken / dpa

Die Debatte habe sich hauptsächlich darum gedreht, »dass Sylt nicht allein den Reichen gehöre«. Die Punker hätten die Kurtaxe nicht zahlen wollen, »da war ich nicht mit ihnen einer Meinung«, erzählte Schäuble.

Die letzten verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner des Punker-Protestcamps am Rathaus von Westerland hatten am vergangenen Mittwoch friedlich das Lager geräumt. Die Auflösung des Camps war von den Behörden angeordnet und gerichtlich bestätigt worden.

apr/AFP
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