Wegen hoher Lebenshaltungskosten Tafeln rechnen mit mehr Zulauf

Milchprodukte, Eier, Brot und auch das Heizen wurden zuletzt immer teurer. Die Coronakrise belastet viele Menschen finanziell. Das wird auch in Deutschlands Tafeln deutlich.
Tafel in Sachsen-Anhalt: An der Ausgabestelle werden Lebensmittel verpackt

Tafel in Sachsen-Anhalt: An der Ausgabestelle werden Lebensmittel verpackt

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Angesichts steigender Lebensmittel- und Energiekosten rechnen die Tafeln in Deutschland mit einer erhöhten Nachfrage in den kommenden Monaten. Zugleich forderte der Vorsitzende der Tafel Deutschland, Jochen Brühl, die Bundesregierung auf, von Armut betroffenen Menschen kurzfristig mit Sonderzahlungen zu helfen. »Zu einigen Tafeln kommen schon heute mehr Menschen«, sagte Brühl. Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse seien aktuell besonders beliebt, »da sich viele Menschen eine ausgewogene Ernährung schlichtweg nicht leisten können«, sagte Brühl. »Die steigenden Lebensmittelpreise verschärfen dieses Problem.«

An die neue Bundesregierung hat Brühl klare Erwartungen: »Egal, ob wir es künftig Bürgergeld oder Hartz IV nennen – klar ist, dass die Regelsätze deutlich steigen müssen, ebenso wie der Mindestlohn.« Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, dass Millionen Menschen nicht an ihr teilhaben und dass Kinder kaum eine Chance haben, sich aus einem Leben in Armut zu befreien. »Die Tafeln dürfen keine Existenzhilfe sein, sondern eine Unterstützung, um armen Menschen einen finanziellen Spielraum zu schaffen«, sagte er.

Einige Kunden seit Pandemiebeginn nicht zurückgekommen

Nach den aktuellsten Zahlen der Tafeln aus dem Mai 2021 berichteten schon da knapp 40 Prozent der Tafeln von mehr Menschen an den Ausgabestellen. Vor allem der Anteil von Menschen in Kurzarbeit, Beziehern und Bezieherinnen von Arbeitslosengeld II und Selbstständigen habe zugenommen. Viele ältere Menschen blieben dagegen aktuell wieder zu Hause. Es kommen den Angaben nach auch weiterhin viele Familien zu den Tafeln – der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist sehr hoch. Bei rund jeder fünften Tafel gebe es jedoch auch weniger Kundschaft. »Einige Kundinnen und Kunden sind seit Pandemiebeginn nicht wieder zurückgekommen«, so Brühl. »Das macht uns Sorgen, denn wir wissen, dass sie die Unterstützung bräuchten.«

Einige Helferinnen und Helfer, die ihr Engagement Anfang des Jahres aus Angst vor einer Corona-Ansteckung pausiert hatten, seien zurückgekommen, sagte er. Andere seien weiter verunsichert und noch nicht wieder zurück. Die neuen Ausgabemodelle mit Abstand und wenig Kontakt seien inzwischen erprobt, so Brühl. Diese Konzepte bedeuteten aber auch mehr Arbeit und zusätzliche Kosten, die bewältigt werden müssten. Der Winter und die aktuelle Pandemiesituation mit der Verbreitung der Omikron-Variante würden die Helferinnen und Helfer wieder vor neue Herausforderungen stellen.

nil/dpa
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