Verteilung von Lebensmitteln Tafeln wünschen sich staatliche Hilfe

Die Zahl der Menschen, die sich regelmäßig bei Tafeln mit Lebensmitteln versorgen, ist deutlich gewachsen. Der Bundesverband warnt vor einer Überforderung der Ehrenamtsorganisation - und fordert finanzielle Unterstützung.

Roland Weihrauch/ DPA

Die Tafeln wollen staatliche Unterstützung für die Annahme und Verteilung von gespendeten Lebensmitteln. "Vor allem große Mengen von Produzenten müssen wir mitunter ablehnen, weil unsere Infrastruktur dem nicht gewachsen ist", sagte der Vorsitzende des Vereins Die Tafel Deutschland, Jochen Brühl, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bevor über ein Gesetz diskutiert werde, das Lebensmittelhändler - wie in Frankreich - zum Spenden ihrer Überschüsse verpflichtet, sei deshalb finanzielle Unterstützung vom Staat für die Rettung und Verteilung von Lebensmitteln nötig, sagte Brühl. "Die Bundesregierung nennt die Tafeln zu Recht einen wichtigen Akteur bei der Strategie der Halbierung der Lebensmittelverschwendung." Eine Ehrenamtsorganisation dürfe mit dieser Aufgabe nicht alleingelassen werden.

Konkret forderte Brühl finanzielle Mittel, um davon hauptberufliche Mitarbeiter zu bezahlen, die große Spenden koordinieren und an die Landesverbände verteilen sollen. Auf Landesebene würden außerdem Logistiklager und Fahrzeuge benötigt, um große Mengen annehmen und weitergeben zu können.

Jährlich 264.000 Tonnen Lebensmittelspenden

In dem Dachverband sind mehr als 940 Tafeln in Deutschland zusammengeschlossen. Laut Brühl sammeln 60.000 Ehrenamtliche jährlich 264.000 Tonnen Lebensmittelspenden. Die Lebensmittelverschwendung in Deutschland - laut Tafel bis zu 18 Millionen Tonnen pro Jahr - nannte Brühl angesichts des Hungers auf der Welt "pervers".

Die Zahl der Menschen, die sich regelmäßig Lebensmittel bei der Tafel holen, hat offenbar deutlich zugenommen. Nach einer Hochrechnung des Vereins aus dem September ist sie innerhalb eines Jahres um zehn Prozent auf 1,65 Millionen gestiegen.

Deutlich war der Anstieg demnach vor allem bei Senioren. In dieser Gruppe stieg die Zahl der Menschen, die zur Tafel gehen, um 20 Prozent. Brühl bezeichnete das als "besonders dramatisch".

Niedrige Renten oder Grundsicherung im Alter seien hinter Langzeitarbeitslosigkeit der zweithäufigste Grund, warum Menschen zur Tafel gehen. "Das ist natürlich sehr erschreckend, weil wir wissen, dass viele Menschen, die Rentnerinnen und Rentner sind, sich oft schämen, Leistungen in Anspruch zu nehmen", sagte Brühl. Die Tafeln geben die Ware kostenlos oder gegen einen geringen Betrag ab.

wit/AFP

insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
chrismuc2011 06.11.2019
1. vorbehaltlose Zustimmung!
Ich kann der Forderung der Tafeln nach staatlicher finanzieller Unterstützung nur vorbehaltlos zustimmen. Denn eigentlich erledigen die Tafeln die eigentlichen Pflichten des Staates. Und besser die Tafeln bekommen Zuschußgelder, als dass der Saat sich selbst darum kümmert mit tausenden Beamten und externen Beratern, die wieder Unsummen an Geld kosten, ohne das etwas dabei rumkommt. Außer vielleicht massiv ansteigende Bürokratiehemmnisse wie 20 seitige Formularanträge, die jeder Bedürftiger erst einmal stellen muss, um an ein Jogurt kurz vor dem MHD zu kommen.
egoneiermann 06.11.2019
2.
Zitat von chrismuc2011Ich kann der Forderung der Tafeln nach staatlicher finanzieller Unterstützung nur vorbehaltlos zustimmen. Denn eigentlich erledigen die Tafeln die eigentlichen Pflichten des Staates. Und besser die Tafeln bekommen Zuschußgelder, als dass der Saat sich selbst darum kümmert mit tausenden Beamten und externen Beratern, die wieder Unsummen an Geld kosten, ohne das etwas dabei rumkommt. Außer vielleicht massiv ansteigende Bürokratiehemmnisse wie 20 seitige Formularanträge, die jeder Bedürftiger erst einmal stellen muss, um an ein Jogurt kurz vor dem MHD zu kommen.
Das sollte man aber vorher mal eruieren. Denn wenn Menschen wirklich auf Spenden angewiesen sind, dann sind die Sozialsätze zu niedrig, Wenn diese aber zum Leben reichen, dann gibt es keinen Grund diese privaten Organisationen zu unterstützen.
iasi 06.11.2019
3. Gebt den Leuten mehr Geld, damit sie sich selbst Lebensmittel
kaufen können. Stattdessen sollen also ordentlich bezahlte Stellen geschaffen werden, damit diese gesellschaftliche Peinlichkeit besser organisiert werden kann.
hammerschmitt22 06.11.2019
4. Eine Schande ohnegleichen...
...ist es, dass in einem der reichsten Länder der Erde 1,65 Millionen Menschen auf diese Tafeln angewiesen sind. Zweifelsohne sind die Tafeln eine sinnvolle und notwendige Einrichtung. Die Frage bleibt, warum diese Tafeln notwendig wurden. Die Schere zwischen Arm und Reich in der BRD öffnet sich immer weiter und gehört zu den Spitzenreitern in der EU. Die Politiker, die dies zu verhindern hätten, sind unfähig, ignorant und in erster Linie auf ihren Machterhalt fixiert. Aber Hauptsache die Milliardengräber Flughafen Berlin, Stuttgart 21, horrende Beraterverträge, voreilig abgeschlossene Mautverträge und vieles mehr (da war doch was mit der Eisbergspitze) fressen Unsummen. Und im schlimmsten Fall treten die Verantwortlichen zurück, haben aber ihre Posten in der Privatwirtschaft und eine mehr als üppige Pension in der Tasche... Armes Deutschland, wie tief bist Du gesunken...
draco20007 06.11.2019
5.
Zitat von iasikaufen können. Stattdessen sollen also ordentlich bezahlte Stellen geschaffen werden, damit diese gesellschaftliche Peinlichkeit besser organisiert werden kann.
Deshalb verschwinden die Tafeln doch nicht... Die Tafeln sind nicht aus einer Notwendigkeit entstanden, weil Menschen hungern würden...sondern schlicht als Folge unserer Überflussgesellschaft... Wir haben so viel zu viel, dass wir es mit den Ärmeren unserer Gesellschaft, die sie IMMER haben, teilen können und diese Ärmeren entlasten können. Ich glaube die wenigsten Menschen, die zur Tafel gehen, würden ohne die Tafel hungern, nur müssten sie ihre Finanzen umpriorisieren... Die Arbeit der Tafel ist schlicht absolut sinnvoll und dürfte auch gar nicht abgeschafft werden...denn dann wird das Essen schlicht weggeworfen...
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