Zwei Millionen Obdachlose Philippinen bauen neue Siedlung für Taifun-Opfer

Bislang waren die Behörden von Hunderttausenden Obdachlosen ausgegangen, nun haben die Vereinten Nationen die Zahl nach oben korrigiert: Fast zwei Millionen Menschen haben durch Taifun "Haiyan" ihr Dach über dem Kopf verloren. Für Zehntausende will die Regierung eine neue Siedlung bauen.
Zwei Millionen Obdachlose: Philippinen bauen neue Siedlung für Taifun-Opfer

Zwei Millionen Obdachlose: Philippinen bauen neue Siedlung für Taifun-Opfer

Foto: Aaron Favila/ AP/dpa

Tacloban - Eine Woche nach dem verheerenden Taifun "Haiyan" auf den Philippinen gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass deutlich mehr Menschen ihr Dach über dem Kopf verloren haben als bislang angenommen. Bisher war man von 900.000 Obdachlosen ausgegangen, nun ist die Rede von 1,9 Millionen. Zum Vergleich: Das entspricht der Zahl der Einwohner von Hamburg und Mainz. "Wir machen uns sehr, sehr große Sorgen um Millionen von Kindern", sagte ein Sprecher des Uno-Kinderhilfswerks Unicef.

Für Zehntausende Betroffene soll auf der Insel Leyte eine neue Siedlung gebaut werden. Die Behörden hätten bereits ein acht Hektar großes Grundstück ausgewiesen, teilte die Katastrophenschutzbehörde mit.

"Wir haben ein Areal zur Umsiedlung gefunden, wir wollen dort Häuser für die Obdachlosen bauen", sagte Behördenchef Eduardo Del Rosario. "Wir werden morgen beginnen, das Gelände zu planieren." In der besonders stark betroffenen Stadt Tacloban haben die Menschen mit Aufräumarbeiten begonnen. Sie schoben den Schutt zerstörter Häuser und Straßen beiseite.

Schlange stehen für eine ärztliche Behandlung

Mehr als 350.000 Menschen leben eine Woche nach dem Durchzug von Taifun "Haiyan" in Notunterkünften. Andere sind bei Verwandten untergekommen. Der Taifun hat auf mehreren Inseln massive Zerstörungen angerichtet. Die Sturmflut mit meterhohen Wellen sorgte vor allem in Küstengebieten für große Schäden.

Die Verteilung der Hilfsgüter geht nur schleppend voran, es gibt große logistische Probleme. Das Militär versprach, mehr Lastwagen zum Transport in das Katastrophengebiet zu schicken. Die Versorgung der Opfer blieb aber lückenhaft. Verletzte standen in langen Warteschlangen unter sengender Sonne an, um sich ärztlich behandeln zu lassen. Örtliche Behörden berichteten von erheblichen Engpässen bei der Bergung der vielen Leichen, die auf Straßen und unter Trümmern lagen. Demnach fehlt es dazu häufig an Leichensäcken, Personal und Treibstoff.

Schwankende Schätzungen zur Zahl der Opfer

Hunderte internationale Helfer errichteten provisorische Krankenhäuser und fuhren Güter an die Bedürftigen aus. Die Vereinten Nationen äußerten sich verhalten. "Die Reaktion der internationalen Gemeinschaft war nicht überwältigend - gemessen am Ausmaß der Katastrophe, aber bislang war sie sehr großzügig", sagte Uno-Vertreter Jens Lærke in Genf.

Die offizielle Zahl der Toten lag am Freitag bei 3621. Vermisst werden nach Angaben des Roten Kreuzes inzwischen 25.000 Menschen. Der philippinische Präsident Benigno Aquino hat in seinem Land wegen der verzögerten Hilfslieferungen und verwirrender Schätzungen zu den Opferzahlen heftige Kritik auf sich gezogen.

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Taifun "Haiyan": Nicht mal ein Dach über dem Kopf

Foto: Aaron Favila/ AP/dpa
han/Reuters
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