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12. Oktober 2013, 21:04 Uhr

Limburger Skandal

Kosten für Bischofssitz könnten auf 40 Millionen Euro steigen

Der Bischofssitz in Limburg könnte noch einmal drastisch teurer werden: Statt von 31 Millionen Euro ist nun von 40 Millionen die Rede - weil die Bauarbeiten umliegende Straßen und Fassaden beschädigt haben. Das werde "selbstverständlich beglichen", teilt das Bistum mit.

Limburg/Berlin - Die Kosten steigen immer weiter in die Höhe. Nun hat die Limburger Stadtverwaltung einen neuen Wert ausgerechnet: Die Gesamtkosten könnten demnach auf bis zu 40 Millionen Euro steigen, berichtet die "Welt am Sonntag".

Denn zusätzlich zu den bisher veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz rechnet die Stadtverwaltung mit Folgekosten. Der Grund: Schäden in der direkten Umgebung der Residenz, die durch die Baumaßnahmen entstanden sind. Konkret handele es sich um erhebliche Straßenschäden und Beschädigungen an Häuserfassaden. Bistumssprecher Martin Wind bestätigte der Zeitung, dass solche Kosten auf den Bischöflichen Stuhl zukommen. "Diese Rechnungen werden dann selbstverständlich beglichen", sagte er.

Ursprünglich waren 5,5 Millionen Euro für den Bau veranschlagt. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft Vorwürfe der Untreue.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst selbst will nun den Papst über seinen Verbleib im Amt entscheiden lassen. Es sei für ihn selbstverständlich, "dass die Entscheidung über seinen bischöflichen Dienst in Limburg in den Händen des Heiligen Vaters liegt". Als Bischof der römisch-katholischen Kirche kann er zwar nicht selbst zurücktreten, laut Kirchenrecht kann er dem Papst aber seinen Amtsverzicht anbieten.

Eine Rom-Reise, bei der er mit Papst Franziskus über seine Zukunft sprechen wollte, sagte er am Samstag jedoch ab. Der Bischof werde nicht kurzfristig, nach Rom fliegen, sagte ein Bistumssprecher in Limburg am Nachmittag. Nun ist von einer Reise "im Laufe der Woche" die Rede.

Zu dieser Zeit hält sich auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in Rom auf. Er will Papst Franziskus über die Lage in Limburg unterrichten. Der Erzbischof hatte sich in der vergangenen Woche öffentlich von Tebartz-van Elst distanziert.

Außerdem wurde bekannt, dass Tebartz-van Elst schon seit Jahren von der Kostenexplosion beim Bau seiner neuen Residenz gewusst haben könnte. Bereits Ende 2010 hat nach SPIEGEL-Informationen festgestanden, dass der Bau deutlich mehr als 20 Millionen Euro kosten werde. Unklar sei jedoch, ob der Bischof selbst von Anfang an von hohen Ausgaben wusste oder dies über Jahre hinweg nur seinen engsten Beratern bekannt war.

Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen eidesstattlicher Falschaussage beantragt. Dabei geht es um Angaben des Bischofs im September 2012 zu einem Flug nach Indien.

Viele Gläubige wenden sich inzwischen ab: Das Limburger Amtsgericht registrierte vergangene Woche einen sprunghaften Anstieg der Kirchenaustritte im Bistum. An diesem Sonntag wollen sich enttäuschte Katholiken auf dem Limburger Domplatz versammeln, um über einen Neuanfang im Bistum zu sprechen. "Es muss einfach mal ein Forum gegeben werden für die Gläubigen", sagte Pastoralreferent Joachim Schaefer von der katholischen Domkirchengemeinde Wetzlar.

mia/dpa/AFP

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