Terre des Hommes Hilfsorganisation zählt mehr ausgesetzte Babys

Die Auswertung von Medienberichten ergab eine Verdopplung der Zahlen: Nach Angaben von Terre des Hommes soll die Zahl der nach der Geburt ausgesetzten Babys in Deutschland stark gestiegen sein. Langfristig ging die Quote jedoch zurück.


Hamburg - Das Kinderhilfswerk Terre des Hommes hat die Zahl der in Deutschland nach der Geburt ausgesetzten und tot aufgefundenen Babys angeprangert. Im vergangenen Jahr seien 16 Neugeborene in Deutschland tot aufgefunden worden, neun ausgesetzte Babys lebend. Im Vergleich zu 2010 stieg die Zahl der Fälle damit um mehr als 50 Prozent.

Terre-des-Hommes-Mitarbeiter Bernd Wacker nannte die aktuelle Entwicklung "bestürzend", zumal es sich nur um Mindestzahlen handele. "Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein", sagte er der Osnabrücker Zeitung. Das Kinderhilfswerk wertet für seine Fallstudie in erster Linie Medienberichte aus.

Wacker kritisierte, dass es nach wie vor keine offizielle Statistik darüber gebe, wie viele Säuglinge in Deutschland getötet oder ausgesetzt werden. Unklar sei auch, "wie viele Babyklappen es gibt, wie viele Neugeborene dort landen oder wie viele Babys anonym in Kliniken zur Welt kommen".

Trotz des Anstiegs der von Terre des Hommes registrierten Fälle ging die Zahl der ausgesetzten Babys im Zehn-Jahres-Vergleich aber leicht zurück. 2001 hatte das Kinderhilfswerk noch 17 tot und 14 lebend gefundene Neugeborene registriert.

jbr/AFP



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