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Höhlenrettung in Thailand Befreiung aus der Tiefe

Alle Jugendlichen und ihr Trainer sind aus der Höhle in Thailand befreit worden. Die Einsatzkräfte atmen auf. Die Chronik einer dramatischen Rettung.

Am Ende scheinen auch die Retter überwältigt - vom Gelingen der schwierigen Mission, von der Hilfe der vielen Freiwilligen, von den zwölf Jungen und ihrem Trainer, die über zwei Wochen in der dunklen Höhle ausgeharrt haben. "Wir sind nicht sicher, ob es sich um ein Wunder handelt oder um Wissenschaft oder was auch immer", schrieben die Thai Navy Seals auf ihrer Facebook-Seite.

Die Botschaft erschien kurz nachdem die thailändischen Einsatzkräfte bekannt gegeben hatten, dass alle Jugendfußballer und ihr Trainer aus der Tham-Luang-Höhle im Norden des Landes gerettet worden sind.

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Drama um Jugendmannschaft: Eingeschlossen in der Höhle

Foto: AP

Der Fall löste weltweite Anteilnahme aus: US-Präsident Donald Trump meldete sich nach der Rettung ebenso zu Wort wie der deutsche Außenminister Heiko Maas und die deutschen Fußball-Nationalspieler Toni Kroos und Mesut Özil. Der Weltfußballverband Fifa lud die Jungen zum WM-Finale nach Russland ein, doch diese Reise werden sie in ihrem Zustand nicht antreten können, so viel steht schon fest. Sie befinden sich im Krankenhaus, wo sie gründlich untersucht werden. Den Umständen entsprechend soll es allen gut gehen.

Bei aller Erleichterung sollte nicht vergessen werden, wie dramatisch die Situation zwischenzeitlich am Einsatzort war: Ein Taucher kam bei dem Einsatz ums Leben, sein Leichnam wurde am Freitag in die Heimatprovinz Roi Et geflogen, das Militär salutierte.

Was als harmloser Ausflug begann, hielt schließlich mehr als tausend Helfer über zwei Wochen in Atem. Die Chronik einer spektakulären Rettung:

Samstag, 23. Juni: Das thailändische Fußballteam "Moo Pa", die "Wildschweine", bricht zu einem Ausflug auf. Trainer Ekkapol Janthawong, 25, führt die zwölf Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren in die Tham-Luang-Höhle. Doch sie kehren nicht wie geplant zurück - ihre zurückgelassenen Fahrräder werden im Eingangsbereich des Höhlensystems gefunden. Es ist Regenzeit in Thailand. Eine Vermutung kommt auf: Offenbar sind die Jungen und ihr Trainer von Wasser eingeschlossen worden und haben sich in tiefere Bereiche der Höhle geflüchtet.

Karte Thailand Höhle Überflutung

Karte Thailand Höhle Überflutung

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Sonntag, 24. Juni: Erste Suchtrupps finden Taschen und Sandalen der Jungen etwa drei Kilometer vom Höhleneingang entfernt. Die Helfer müssen ihre Suche wegen des steigenden Wassers abbrechen. Die Thai Navy Seals beginnen, Wasser aus der Höhle zu pumpen.

Dienstag, 26. Juni: Drei Tage nach dem Verschwinden der Mannschaft entsendet Großbritannien Höhlen-Rettungstaucher nach Thailand. Richard William Stanton und John Volanthen vom "British Cave Rescue Counsel" sollen die Jungen aufspüren. Die Mission ist hochgefährlich. Das Wasser in der Höhle ist trüb und die Taucher müssen Stellen passieren, die so eng sind, dass sie dafür ihre Pressluftflaschen ablegen müssen.

Einsatz in Thailand

Einsatz in Thailand

Foto: Sakchai Lalit/ AP

Montag, 2. Juli: Neun Tage nach dem Verschwinden der Kinder entdecken Stanton und Volanthen im Schein ihrer Taschenlampen die zwölf Jungs und ihren Trainer, vier Kilometer vom Eingang der Höhle entfernt. Ihr Video aus dem Inneren der Höhle geht um die Welt. "Wie viele seid ihr?", fragt der 47-jährige Volanthen, der als Erster die Gruppe erreicht. "13", antwortet einer der Jungs. "Großartig", ruft der Brite.

Doch bevor die Rettungstaucher die Jungen aus der Höhle bringen können, müssen die ein grundlegendes Tauchtraining absolvieren - viele von ihnen können noch nicht einmal schwimmen. Zusätzlich werden sie mit Trinkwasser, Decken und Essen versorgt.

Mittwoch, 4. Juli: Experten beraten über drei Rettungsszenarien: Man könnte bis zur Trockenzeit abwarten. Von außen könnten Tunnel durch den Fels bis zu den Jungen gebohrt werden. Schließlich entscheiden sie sich für Option drei: Die Jungen werden selber aus der Höhle tauchen müssen - denn der Sauerstoff wird bereits knapp, es bleibt nicht mehr viel Zeit.

Donnerstag, 5. Juli: Das Schicksal der Jungen bewegt die Welt - die Bewohner Thailands ganz besonders. Vor dem Eingang der Höhle hat sich ein Camp von freiwilligen Helfern gebildet, mehr als tausend Menschen sind im Einsatz. Sie bieten kostenlose Massagen und Haarschnitte an oder betreiben kleine Garküchen.

Freitag, 6. Juli: Ein ehemaliger Taucher der Thai Navy Seals stirbt bei dem Einsatz. Er hatte Behälter mit Atemluft zu den Jungen gebracht. Auf dem Rückweg verliert er das Bewusstsein und taucht nicht wieder auf. Der Weg zu den Jungen ist kräftezehrend. Selbst die erfahrenen Taucher brauchen fünf Stunden vom Eingang der Höhle bis zu dem Felsvorsprung, auf den sich die Fußballmannschaft gerettet hat.

Abschied von dem gestorbenen Taucher

Abschied von dem gestorbenen Taucher

Foto: Linh Pham/ Getty Images

Samstag, 7.Juli: Seit mehr als zwei Wochen sitzen die Jungen und ihr Trainer in der Höhle fest. Titun, einer der Jungen, schreibt in einer Nachricht an seine Eltern : "Macht euch keine Sorgen, mir geht es gut, sagt Yod Bescheid, dass ich mich auf gebratenes Hähnchen freue."

Sonntag, 8. Juli: Der Wasserstand ist etwas gesunken. Die Taucher wagen es, die ersten Jungen aus der Höhle zu leiten. Je zwei von ihnen begleiten einen Jungen. Die Jungen nehmen vor der Aktion Beruhigungsmittel - würden sie während des Tauchganges in Panik verfallen, könnte das ihr Leben und das ihrer Retter gefährden. Als die ersten vier Jungen am Eingang der Höhle ankommen, bricht Jubel aus: Sie haben es geschafft und werden erst mal ins Krankenhaus gebracht.

Montag, 9. Juli: Die zweite Rettungsaktion startet gegen 11 Uhr Ortszeit, früher als geplant. Vier weitere Jungen werden gerettet. Die Aktion habe bis in den Abend gedauert und sei reibungsloser verlaufen als die erste Befreiung am Sonntag, sagt ein Sprecher vor Ort. Die Taucher hätten rund zwei Stunden weniger benötigt.

Dienstag, 10. Juli: Noch immer harren vier Jungen und ihr Trainer in der Höhle aus. Am Dienstag beginnt die Rettung der letzten Eingeschlossenen. Dann steht fest: Alle 13 haben es geschafft, die zwölf Jungen und ihr Trainer sind frei. Um 18:47 Uhr Ortszeit teilt die thailändische Marine mit: Die Wildschweine und ihr Trainer sind in Sicherheit.

Im Video: "Die Leistung der Kids war unglaublich"

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