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Höhle in Thailand Rettung der Jugendfußballer könnte sich lange hinziehen

Nahrung für vier Monate, dazu Tauchtraining: Die zwölf vermissten Jugendfußballer und ihr Trainer sind nach neun Tagen in einer überfluteten Höhle in Thailand entdeckt worden. Via Telefon können sie mit ihren Eltern Kontakt aufnehmen.

"Das Wasser ist der Feind", hatte der Gouverneur der Provinz Chiang Rai in Thailand gesagt. In der Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non stieg der Wasserspiegel demnach teils auf Augenhöhe eines Erwachsenen - und behinderte die Arbeiten der Rettungskräfte. Hunderte Helfer hatten tagelang versucht, zwölf Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren sowie ihren Fußballtrainer in der Höhle zu finden.

Dann, am späten Montagabend, kam die erlösende Nachricht: "Unsere Spezialkräfte haben die Menschen wohlbehalten gefunden", sagte Gouverneur Narongsak Osotthanakorn.

Doch damit ist der Einsatz noch nicht abgeschlossen. Osotthanakorn wies Medienberichte zurück, wonach die Rettung der Fußballer mehrere Monate dauern könne. Allerdings müsse man "zu hundert Prozent sicher sein, dass sie gefahrlos herauskommen können". Eine Rettung werde am Dienstag noch nicht möglich sein: Der Wasserpegel sei noch zu hoch und die Jungen körperlich noch zu geschwächt, um zu schwimmen oder zu tauchen. Am Montag hatte es geregnet, der Wasserstand war noch einmal gestiegen.

Dem Gouverneur zufolge wurden Telefonleitungen in der Höhle installiert - voraussichtlich noch am Dienstag sollen die Jungen mit ihren Eltern Kontakt aufnehmen können.

Laut Angaben der thailändischen Armee haben die Eingeschlossenen Nahrung für vier Monate bekommen, außerdem Medikamente und Energiedrinks. Ein Arzt sei vor Ort, hieß es. Die Jugendlichen und ihr Coach sollen ein Tauchtraining erhalten, damit sie gegebenenfalls in Begleitung von Rettungstauchern aus dem überfluteten Teil der Höhle hinausschwimmen können. Währenddessen soll das Wasser in der verwinkelten, rund zehn Kilometer langen Höhle weiter abgepumpt werden.

Es gehe den Teenagern relativ gut, sagte der Provinzgouverneur weiter. "Keiner der Jungs schwebt in Lebensgefahr. Die meisten haben kleinere Gesundheitsprobleme." Ein Arzt sei zu den Jungen geschickt worden, um sie zu untersuchen. Ihnen seien Medikamente und Energiedrinks gegeben worden.

Video: Vermisste Jugendfußballer lebend gefunden

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Ein Video der Einsatzkräfte zeigte die Kinder im Inneren der Höhle im Schein von Taschenlampen - erschöpft aber überglücklich. Ein Kind im Video fragt: "Welcher Tag ist es?". Ein anderes verbeugt sich offenbar und sagt: "Danke." Außerdem fragt ein Junge, ob sie jetzt aus der Höhle rauskönnten - sie hätten Hunger. Der Taucher antwortet ihnen mit britischem Akzent: "Nein, heute noch nicht."

Die Taucher, ein Team von Experten aus Thailand, Großbritannien und Australien, waren mehr als drei Kilometer weit in die Höhle eingedrungen. Sie liegt in der Nähe der Grenze zu Myanmar und Laos und ist eine der längsten Höhlen des Landes. Die Kinder wurden auf einem höhergelegenen Felsvorsprung vermutet, der Pattaya Beach genannt wird. Tatsächlich wurde die Fußballmannschaft noch 300 bis 400 Meter weiter entfernt gefunden, da auch der Vorsprung überflutet war, wie der Gouverneur mitteilte.

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Vermisste Kinder-Fußballmannschaft: Lebenzeichen

Foto: Sakchai Lalit/ dpa

Die jungen Fußballer und ihr Trainer waren am 23. Juni nach einer Trainingseinheit in die Höhle in der Provinz Chiang Rai eingestiegen. Offensichtlich war die Gruppe von einer Sturzflut überrascht worden und hatte sich vor dem ansteigenden Wasser immer tiefer in die Höhle gerettet. Details zum Hergang sind bisher aber unklar. In der Nähe des Höhleneingangs wurden ihre Fahrräder, Fußballschuhe und Rucksäcke gefunden, im Inneren der Höhle ihre Handabdrücke und Fußspuren.

Die Eltern der Vermissten hatten tagelang vor der Höhle ausgeharrt. Am Montagabend brach dann Jubel aus. "Welches Team hat heute die Meisterschaft gewonnen", fragte ein Vater. "Das Team der Moo Pah Academy!", antwortet ein anderer fröhlich. Das ist die Mannschaft im Inneren der Höhle.

aar/ala/dpa/AFP
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