Harvard und Yale Klimademonstranten unterbrechen traditionelles Hochschulmatch

Das Footballspiel zwischen den US-Eliteunis Harvard und Yale hat Tradition. Am Samstag mussten die Athleten eine unfreiwillige Pause einlegen, als Demonstranten den Rasen stürmten.

Demonstranten auf dem Spielfeld in New Haven
Arnold Gold/ New Haven Register/ AP

Demonstranten auf dem Spielfeld in New Haven


Das jährliche Footballspiel zwischen Harvard und Yale ist eine große Nummer. "The Game" findet seit 136 Jahren statt, so auch am Samstag. Doch diesmal gab es eine Überraschung. Kurz vor Ende der Halbzeitpause stürmten Hunderte Demonstranten den Rasen im Stadion in New Haven, im US-Bundesstaat Connecticut. Ihre Forderung: Die beiden Eliteunis sollen aufhören, an der Klimakrise zu verdienen.

Konkret geht es um die Beteiligung an Firmen, die ihr Geld mit fossilen Energien wie Kohle, Erdgas und Erdöl machen. Im Falle Yales kommen außerdem noch Geschäfte mit puerto-ricanischen Staatsschulden hinzu, der Freistaat steckt in einer schweren Finanzkrise. "Disclose, Divest, and Reinvest", riefen einige Demonstranten: Aufdecken, Verkaufen, Neuanlage.

Was die Studenten fordern

Divestment meint die Strategie, Investitionen aus Firmen abzuziehen, die zur Klimakrise beitragen. Diese Idee wird unter anderem von der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) und dem Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) unterstützt. UN-Generalsekretär Guterres, der ehemalige US-Präsident Obama und Prinz Charles sind prominente Fürsprecher.

In einem von Divest Harvard, Mitorganisatoren des Protests, veröffentlichten Video sagt Wesley Osgbury, der Kapitän von Harvards Footballmannschaft: "Beide Hochschulen investieren weiterhin in Industriezweige, die unsere Zukunft zerstören."

Weder Harvard noch Yale könnten behaupten, Wissen zu fördern, wenn sie "gleichzeitig Firmen unterstützen, welche die Öffentlichkeit irreführen, Wissenschaftler diffamieren und die Wahrheit leugnen", so Osgbury.

Laut Divest Harvard investiert die Hochschule nicht direkt in solche Firmen, ist aber über diverse Fonds an ihnen beteiligt. Letztlich sei nur von einem Prozent des Hochschulvermögens in Höhe von insgesamt fast 40 Milliarden Dollar bekannt, wie es angelegt sei. Von diesem Hundertstel wiederum steckten etwa 5,6 Millionen Dollar in acht Fonds, die alle bis auf einen schlecht abschneiden in Sachen Umweltschutz. Hochgerechnet auf das Gesamtvermögen ergebe das eine Investitionssumme von mehreren Hundert Millionen Dollar.

Mehrere Festnahmen

Die Unterbrechung dauerte etwa eine halbe Stunde und endete damit, dass ungefähr 50 Menschen von der Polizei abgeführt wurden, weil sie sich geweigert hatten, das Feld zu räumen. Mehrere Demonstranten wurden wegen Ungehorsam festgenommen, schreibt die Hochschulzeitung "The Harvard Crimson".

Während viele Zuschauer und auch Spieler Verständnis für die Aktion zeigten oder sich sogar anschlossen, gab es auch Buhrufe. Zwischenzeitlich waren die Dekane beider Hochschulen auf dem Spielfeld, um die Menschen zum Aufgeben zu bewegen. Letztlich ohne Erfolg.

Eine Yale-Sprecherin teilte anschließend mit, die Universität achte das Gebot der Meinungsfreiheit, halte aber die gewählte Protestform für falsch. Aus Harvard hieß es, Divestment sei nicht der beste Weg, um der Klimakrise zu begegnen.

Prominente Unterstützung

Prominente Unterstützung kam aus den Reihen der Demokratischen Partei. Gleich drei mögliche Präsidentschaftskandidaten twitterten Solidaritätsnoten: Bernie Sanders gratulierte und schrieb: "Wir stehen euch bei in diesem Kampf"; Elizabeth Warren bezeichnete den Klimawandel als "existenzielle Bedrohung", die es mutig zu bekämpfen gelte; und Julian Castro zeigte sich beeindruckt vom Versuch, die Universitäten zu höheren Standards zu bewegen.

An beiden Hochschulen hatte es in den vergangenen Monaten bereits mehrfach Proteste wegen der Geldanlagen gegeben, nicht nur von Studenten, auch von Fakultäten und Alumninetzwerken.

"The Game" gewonnen hat übrigens Yales Team. Im letzten Viertel konnte es endlich ausgleichen und dann die Nachspielzeit mit sieben Punkten Führung beenden, 50:43.

löw



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