"The Zimbabwean" Werbekampagne auf Geldscheinen

Die Inflation liegt bei 230 Millionen Prozent, es gibt 100-Trillionen-Dollar-Scheine: In Simbabwe ist Geld weniger wert als Papier. Die Wochenzeitung "The Zimbabwean" machte sich dies zu eigen - und druckte ihre Werbekampagne nicht auf Plakate, sondern auf Banknoten.

Zumindest auf dem Papier dürfte es eine der teuersten Werbekampagnen der Welt gewesen sein, die beim Werbefestival in Cannes vergangene Woche so richtig absahnte: Mit neun Löwen, davon fünf goldene, prämierte die in Südfrankreich versammelte Branchenelite einen - nach US-Zählart - Trillionen schweren Werbefeldzug, den nicht etwa ein amerikanischer Konsumgütergigant, sondern die geldknappe Wochenzeitung "The Zimbabwean" in Auftrag gegeben hatte.

Die Zeitung, deren Journalisten vor der Diktatur Robert Mugabes längst aus dem Land geflohen sind, erscheint im benachbarten Südafrika und wird von dort nach Simbabwe importiert. Doch weil Mugabe das regierungskritische Blatt mit einer Luxussteuer von mehr als 55 Prozent belegt hat, ist es für die darbende Bevölkerung des Landes nahezu unerschwinglich.

Die Werbekampagne für den "Zimbabwean", die vor rund drei Monaten vom südafrikanischen Ableger der Werbeholding TBWA konzipiert und weitgehend kostenfrei umgesetzt wurde, zielte deshalb vor allem darauf, den Verkauf in Südafrika anzukurbeln, um den Vertrieb in Simbabwe subventionieren zu können.

"Das Geld stapelte sich einen Meter hoch im Büro"

Das Land, von einem korrupt-gierigen Regime in den Ruin getrieben, leidet vor allem unter der explodierenden Inflation: Die Geldentwertung lag zuletzt bei 230 Millionen Prozent pro Jahr, im Januar kamen Banknoten im Nennwert von 100 Trillionen Dollar in Umlauf.

Im April wurde der Simbabwe-Dollar abgeschafft. Die Hyperinflation, Symbol des Niedergangs des Landes, rückte die Werber im Auftrag des "Zimbabwean" denn auch in den Mittelpunkt ihrer Kampagne - nicht zuletzt aus sehr praktischen Gründen: Weil es teurer gewesen wäre, Plakate, Poster und Flyer auf Papier zu drucken als auf den weitgehend wertlosen Banknoten, bestempelten die Werber die Scheine der Landeswährung mit dem Slogan "Fight the regime that has crippled a country. The Zimbabwean" ("Kämpft gegen das Regime, das das Land lahmgelegt hat"), verteilten sie auf den Straßen von Johannesburg, an den Universitäten und verschickten sie an Politiker und Industrielle.

Einzelne Scheine verklebten sie zu ganzen Plakatwänden, versehen mit dem Spruch: "Thanks to Mugabe this money is wallpaper. The Zimbabwean" ("Dank Mugabe taugt dieses Geld nur als Tapete.")

Die Trillionen Dollar-Noten, erzählt John Hunt, Kreativ-Chef von TBWA Worldwide, besorgten die Mitarbeiter der Agentur über Freunde und Bekannte in Simbabwe, die das Geld kofferweise über die Grenze brachten, oder tauschten sie in einer Nebenstraße in Johannesburg.

Gerade einmal ein paar tausend US-Dollar seien die Berge von Scheinen wert gewesen. "Das Geld stapelte sich irgendwann auf fünf Quadratmetern, einen Meter hoch im Büro", erzählt Hunt. Management und Agenturangestellte klebten und verteilten eigenhändig.

"Die Inflation hat es jeden Tag ein bisschen billiger gemacht. Das war verrückt, beinahe kafkaesk", sagt Hunt. Internationale Medien, Web-Portale und Fernsehsender berichteten über die Kampagne, die damit trotz ihres schmalen Budgets schnell Aufmerksamkeit erlangte.

Für den "Zimbabwean" hat sich die Werbung bezahlt gemacht: Der Verkauf stieg nach Agenturangaben um über 200 Prozent.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.