Repräsentative Studie 22 Prozent der Thüringer verharmlosen Coronavirus

Das Coronavirus sei nicht schlimmer als eine Grippe, glaubt in Thüringen etwa jeder Fünfte. Forscher sehen »eine Radikalisierung der schrumpfenden Anti-Corona-Bewegung«.
Greiz in Thüringen: Menschen bei einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Coronamaßnahmen

Greiz in Thüringen: Menschen bei einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Coronamaßnahmen

Foto: Bodo Schackow / dpa

In Thüringen teilen die Menschen laut einer Studie überdurchschnittlich häufig coronaskeptische Einstellungen. Trotz der heftigen vierten Coronawelle und Intensivstationen an der Belastungsgrenze halten etwa 22 Prozent der Menschen in Thüringen das Coronavirus »für nicht schlimmer als eine Grippe«. Der Wert sank jedoch im Vergleich zum vergangenen Jahr, als noch 35 Prozent der Befragten diese Einstellung vertreten hatten.

Das geht aus dem aktuellen Thüringen-Monitor  hervor, den Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena in Erfurt vorstellten. Die Langzeitstudie untersucht im Auftrag der Staatskanzlei seit dem Jahr 2000 jährlich die Entwicklung des politischen Meinungsklimas und der Einstellungen im Freistaat.

Für die repräsentative Studie wurden zwischen dem 4. Juni und dem 3. Juli 2021 insgesamt 1100 wahlberechtigte Thüringerinnen und Thüringer befragt.

Forscher sehen Radikalisierung

Es sei »eine Radikalisierung der schrumpfenden Anti-Corona-Bewegung zu beobachten«, wenngleich nicht in Richtung des Rechtsextremismus. Coronaskeptische und rechtsextreme Einstellungen überlappen sich demnach nur in geringem Maße. Insgesamt ging der Anteil der rechtsextrem Eingestellten auf elf Prozent zurück – der niedrigste Wert seit Beginn der Befragungen.

Gleichzeitig ist auch der Glaube an pandemiebezogene Verschwörungserzählungen in Thüringen weitverbreitet. So stimmt ein Drittel der Befragten der Aussage zu, dass es »geheime Organisationen« gäbe, »die während der Coronakrise großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben«. Zudem glaubt ebenfalls ein Drittel, dass die Regierung die Bevölkerung in der Coronakrise »gezielt in Angst und Schrecken versetzt, um massive Grundrechtseinschränkungen durchsetzen zu können«.

Trotzdem sind die Menschen mit dem demokratischen System zufriedener als vor der Pandemie. Die Demokratiezufriedenheit sank laut der Studie vom bisherigen Rekordwert von 68 Prozent im vergangenen Jahr auf nun 65 Prozent. Das sei immer noch der zweithöchste gemessene Wert. Während das Vertrauen in Gerichte, Polizei und Wissenschaft auf einem stabilen Niveau blieb, sanken allerdings die Vertrauenswerte für die Landes- und Bundesregierung.

Waren etwa im Jahr 2020 nur 20 Prozent der Befragten unzufrieden mit dem Pandemiemanagement der Landesregierung, verdoppelte sich der Anteil in diesem Jahr auf 40 Prozent.

ptz/AFP
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